Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 50 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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50 fleissiges Mitglied an und nichts schien gegen diese Mitgliedschaft vorzuliegen. Doch halt, der Mann ist Jude, und dieser Geburtsfehler war jenen Sangesbrüdern, deren Deutschtümelei bereits ins Narrenhaus hineingewachsen zu sein scheint, ein Dorn im Auge. Ja es hiess, dass eine Anzahl anderer Herren (Beamte, Professoren u. s. w.) ihren Eintritt von dem Umstände abhängig gemacht hatte, dass erst der Jude draussen sein müsse. Und so begab sich denn kürzlich der Vorstand, Herr Lehrer Ernst Deutl, mit angestammter Würde persönlich zu Herrn Berthold Kormany und verkündete ihm den angeblich mit grosser Mehrheit gefassten Vereinsbeschluss, dass nun seine Mitgliedschaft ein Ende habe, weil nun, weil Herr Kormany eben Jude sei. Dass Herr Kormany dieser Botschaft sofort Folge leistete, ist begreiflich, er gab aber überdies noch dem Herrn Vorstande eine schriftliche Erklärung mit auf den Weg, die aber wegen ihres etwas unbequemen Inhaltes nicht vor das Plenum gelangt sein soll. So geschehen in der internationalen und interkonfessio nellen Kurstadt Gmunden im Jahre 1905. Es nimmt uns nur Wunder dass derselbe Männergesangverein nicht auch noch dekretiert, dass Seiten Produktionen im Sommer und zu anderen Zeiten künftig keine Juden mehr beiwohnen dürfen und dass das Vereinsklavier, welches doch auch aus allerdings sehr kulanten Judenhänden stammt, überhaupt noch sein Dasein im Vereinslokale fristen darf. Nach diesem Beispiele zu schliesseu, dürften sich die Begriffe „national" und „brutal" wenigstens in Gmunden so ziemlich decken. Herr Berthold Kormany mag sich übrigens trösten; den hochverdienten Chormeister Herrn Dr. Karl Beistorfer hat man zum Danke für die Liebe und Begeisterung, mit welcher er den Männergesaugverein durch mehr als 25 Jahre geleitet und gehoben, vor nicht gar langer Zeit genau so henkermässig behandelt. Das scheint bei diesen dankbaren deutschen Männern schon so der Brauch zu sein. Doch mag auch das gesellige Leben in Gmunden durch solche Vorgänge immer mehr und tiefer zerrissen werden: Lieb Vaterland magst ruhig sein, Der G'sangverein ist judenrein! Hierzu erhalten wir aus Gmunden folgende Original-Mitteilung: „Der Vorfall ist speziell für die Verhältnisse in Gmunden charakteristisch und zeigt, wie der Kurort von Judenhetzereien heimgesucht ist. Urheber des letzten Beschlusses des Männergesangvereines sollen der Turnlehrer Potschka und die Professoren W i m m e r und Brettel des hiesigen Kommunal- Obergymnasiums sein. Es ist ferner besonders bezeichnend, dass den obigen Artikel das klerikale Organ veröffentlicht und verdammt hat, was das allgemeine Urteil über dieses Vorgehen kennzeichnet. Jedenfalls ist es der Erwägung wert, ob jüdische Schüler das hiesige Kommunal-Obergymnasium besuchen sollen, da sich infolge des ostentativen Rassenstandpunktes des Turnlehrers ein Antisemitismus unter vielen Schülern entwickelt hat, der nur durch das unparteiische Vorgehen des Direktors von Tätlichkeiten abgehalten wird." Lemberg. (Jüdische sozialdemokratische Partei in G a 1 i z i e n.) Ende vorigen Monats hat sich innerhalb der polnischen Sozialdemokratie Galiziens ein Komitee gebildet, das die Gründung einer besonderen