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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-05-01 · 5 (5.1905) · p. Seite 51

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
5 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 51 (sequence 51)
Language
German
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51 jüdischen sozialdemokratischen Partei zum Ziele hat. Die Konstituierung der neuen Organisation soll auf eiuem für den 9, und 10. Juni nach Przemysl einberufenen Kongress erfolgen. Das Komitee hat von seiner Absicht die Gesamtexekutive der österreichischen Sozialdemokratie verständigt und um Anerkennung ihrer besonderen nationalen Organisation — die österreichische Sozialdemokratie zerfällt seit dem Brünner Parteitage in einzelne nationale Parteien — angesucht. Die polnische Partei Galiziens, der die jüdischen Sozialdemokraten bisher angehörten, bekämpfte die Separation mit dem Hinweise darauf, dass die in der polnischen Bevölkerung zerstreut lebenden jüdischen Proletarier identische Interessen mit den polnischen Arbeitern haben und dass die besondere Sprache und Sitte der jüdischen Arbeiter in einer Differenzierung der Organisations- und Agitationsformen genügend berücksichtigt werden könnte. Die polnische Partei weist darauf hin, dass in keinem Lande die jüdischen Proletarier besonders organisiert seien. Die Gesamtexekutive hat nun beschlossen, die „Jüdisch-sozialdemokratische Partei Galiziens" nicht anzuerkennen. Sie wird daher auch den Przeinysler Kongress nicht beschicken, sie betrachtet die Veranstalter der Separation als nicht mehr zur sozialdemokratischen Partei gehörig. St.-PeterSÜurp. (Neue J u d e n m e t z e 1 e i e n.) Schreckliche Opfer haben wiederum die russischen Ostern gefordert. Trotz der Versicherung offiziöser und offizieller Soldschreiber über Sicherheitsmassnahmen der Behörden ist an verschiedenen Orten wiederum jüdisches Blut in Strömen geflossen, jüdisches Besitztum von dem aufgehetzten „Pöbel in Lumpen und Frack" in grossen Mengen zerstört, die jüdische Bevölkerung ganzer Ortschaften unter der schon gewohnten „Zurückhaltung der Polizei", an den Bettelstab gebracht worden. Die bestialischen Marodeure haben unter stillschweigender Duldung der Sicherheitsorgane in den Städten Schitomir, Dussiaty, Melitopol und in S e d 1 i c e ihr echt russisches Handwerk des Mordes, Diebstahls, Raubes üben können. Den ganzen Umfang der Judenexzesse kennt man zur Stutide noch nicht, denn die verlogenen Berichte der amtlichen russischen Publizität erschweren die Klarstellung des wahren Sachverhalts, wie in früheren Fällen, so jetzt. Während die russische Regierungspresse, einschliesslich der amtlichen Organe, krampfhaft bemüht ist, die Vorgänge so harmlos als möglich darzustellen, liegen heute bereits Berichte vor, die das Juden-Gemetzel nahezu als eine Wiederholung der Kischinewer Vorgänge erscheinen lassen. In Schit >inir sind 22 jüdische Männer und 3 Frauen getötet und über 100 Personen teils sehr schwer verletzt worden. Eine grosse Anzahl der letzteren liegt hoffnungslos in den Spitälern. Wenn etwas das Entsetzen über die blutige Saat antisemitischer Verhetzung mildern kann, so mag es in der Tatsache .-.resucht werden, dass unsere russischen Glaubensbrüder in Schitomir sich wenigstens mit der Waffe in der Hand verteidigt haben und sich nicht wehrlos von dem aufgehetzten Pöbel haben niederschlagen lassen. l!?£l>G]xtx*£l>g. Aufhebung des Wiener Schächtverbotes. Die k. k. niederö terreichische Statthaltern hat mit Erlass vom 26. d. das vom Wiener Gemeinderate beschlossene Schächtverbot aufgehoben.

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