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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-05-01 · 5 (5.1905) · p. Seite 47

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
5 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 47 (sequence 47)
Language
German
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47 Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Hetzereien in Neu-Sandec. Aus Neu-Sandec wird uns geschrieben : Am 12. d. M. geriet hier ein als gewalttätig bekannter Jude namens Isaak Zorn mit dem christlichen Tischlerlehrling Konstant P u 1 i t in Streit, in dessen Verlaufe Zorn den Pulit derart an ein Eisengitter anschleuderte, dass der Lehrling auf der Stelle tot blieb. Dieser bedauerliche Vorfall bietet gewissen Elementen Anlass zu neuerlichen Judenhetzereien. Sowohl in Neu-Sandec als auch in den umliegenden Dörfern wurden Flugblätter in Umlauf gesetzt, in denen geschildert wird, wie der Christenknabe Konstant Pulit „von den Juden ermordet wurde", wobei die Redewendung vorkommt: „Er starb eines Märtyrertodes, von Judenhand ermordet." In diesen Flugblättern wird die christliche Bevölkerung aufgefordert, „sich an der jüdischen Bevölkerung für das unschuldig vergossene Christenblut zu rächen." Ferner hat der hiesige Photograph Jan Zachowski den Zorn in der Untersuchungshaft^) photographiert und dessen Bild in den Auslagefenstern ausgestellt mit der Ueberschrift: „Der Jude Itzig Zorn, welcher den Katholiken Konstant Pulit ermordet hat." Diese Photographie, sowie auch die des Tatortes mit einer ähnlichen Ueberschrift fand hier reissenden Absatz und zirkuliert in allen Gesellschaftskreisen. In der christlichen Bevölkerung herrscht grosse Aufregung. Ueber Einschreiten unseres Neu-Sandecer Vertreters hat der Bezirkshauptmann die Entfernung der erwähnten Bilder aus den Schaufenstern angeordnet. Bätseihaft bleibt es, wie das Kreisgericht gestatten konnte, einen Untersuchungshäftling zu Geschäftszwecken im Gefängnisse zu photographieren, und wir werden uns bemühen, dieses Rätsel zu lösen. Die Flugblätter wurden auf lithographischem Wege hergestellt, und nach genauen Erhebungen gibt es in Neu-Sandec nur eine lithographische Presse, die sich im — Jesuitenkloster befindet. Unser Rechtsschutzbureau ist auch der Frage näher getreten, ob der k. k. Staatsanwaltschaft und der k. k. Bezirkshauptmannschaft in Neu-Sandec ein Pflichtexemplar dieser aufreizenden Pamphletes vorgelegt wurde. Seltsamerweise hat die politische Behörde eine gegen die Verbreitung dieser Flugblätter gerichtete Beschwerde unseres Vertreters dem Stadtmagistrate überwiesen, der jedoch, statt auf die christliche Bevölkerung beruhigend einzuwirken, an den Kultusvorstand sub Zahl 5414 eine Zuschrift richtete, in welcher alle Gerüchte und Drohungen gegen die Juden angeführt und diese aufgefordert werden, nicht zu provozieren und zu Ausschreitungen keinen Anlass zu geben (!) Dieses Schriftstück erweckt nur zu sehr den Verdacht, dass gewisse

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