Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 46 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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4 In demselben Magazin ist auch neben einer betrügerischen Auslegung des Talmud-Chulin*) 32, 51 und 94 und anderen Produkten der Niedertracht17) die niedliche Fälschung des Wortes Newela im V. Buche Moses. K. 14, 21, vorrätig. Das Wort wird in Könige I. 13, 25, auf den Leichnam des von einem Löwen niedergeschlagenen Propheten angewendet, ist allgemeine Bezeichnung für Niedergefallenes, kann sowohl zur Bezeichnung des Leichnams eines durch Zufall, wie Abstürzen u. dgl., verunglückten Lebewesens, eines Tieres, dessen Fleisch vollkommen gesund ist, als auch zur Bezeichnung des Kadavers eines durch Krankheit verendeten Tieres gebraucht werden. Die betreffende Stelle lautet: „Ihr sollt „keinerlei" Hingefallenes essen (das heisst auch kein solches, das zum Genüsse gut geeignet), dem Fremden, der in deinen Toren ist, sollst du es geben und er darf es essen (ihm ist es nicht verboten) oder verkaute es dein Ausländer. Da übersetzt man das Wort einfach mit Aas, zieht daraus seine Folgerungen und verhöhnt diejenigen, die dem fünften Buche Moses den Charakter einer göttlichen Offenbarung beilegen. Also Moses, dessen Fremdeng^setze von einer über Religion, Rasse und Klasse hinausgreifenden Metischenachtung und Menschenliebe durchdrungen sind, soll angeordnet habeu, dass man den Fremden giftiges Aas spendiere, und das in demselben Verse, dessen Schluss lautet: „Du darfst das junge Tier nicht kochen iu der Milch seiner Mutter"! Was würde Jesu zu solchen Christen, zu Leuten, welche die göttlichen Wahrheiten so impertinent verunglimpfen, und zu ihren Helfershelfern sagen?! Diese Frage legen wir allen gewissenhiften wirklichen Christen vor. Wir aber wollen an dem G-lauben, für den mehr als dreissig Millionen unserer Vorfahren verblutet, immer festhalten, selbst wenn es einer infamen Tierschufczhenchslei gelingen sollte, uns zum Vegetarianismus zu zwingen. Lasset es nur so weiter treiben ihr grossen Herren, dann werdet ihr, wie das delphysche Orakel d^m Krösus geweissagt —■ ein grosses Reich zerstören! *) Aus Talmud-Chulin 15, 16 ist ersichtlich, dass das Schäjhtinssser scharf sein niuss. ,T) Aus Talmud Cnulim 51 zu folgern, dass man ein verunglücktes Tier, au dessen Aufkommen nicht zu deukeu ist, nicht durch Tötung von seiner Pein erlöseu darf, ist eine Verleumdung, deren Infamie man nur durch den Vorwurf zu überbieten vermochte, dass der Kreuzigungstod eine jüdische Einrichtuug zur Hinrichtung von Menseben gewesen. Hunderte Stellen des Traktates Sanhedrin bezeugen, dass die jüdischen Gerichte niemals etwas mit diesem, dem römischen Sklavenhaushalte entnommenen Peinigungsmittel zu tun gehabt haben.