Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 44 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Okar bedeutet ausreissen oder zerstören (Zefanja Kap. 2, 4) und wird vielfach, aber zumeist auf Ausheben von Pflanzen oder Ungangbarmachung von beweglichen Dingen durch Zerstöruug ihrer Basis oder durchs Abheben von denselben angewendet; es passt demnach sowohl für den Begriff Lähmung der Füsse, wie für den Begriff Abnehmen oder Abreissen der Wagenteile von ihrer Unterlage. Nur letzteres, nichts anderes, hat König David angeordnet. Wenn die Uebersetzung des Wortes Kechew nicht so bekannt wäre, würden wir uns auf weitere Erläuterungen einlassen; man lese nur die Parallelstelle Chronik 18, 4, wird man jedes weitere Wort für überflüssig halten. Die dort erwähnten siebentausend Reiter werden ja sicherlich nicht auf Ziegenböcken gesessen sein. Endlich ist es den Argusaugen des Herrn Rubin v. Schwartz, Dr. Stein, oder wie der grosse Entdecker sonst heissen mag, denn doch gelungen, in der Bibel einen empörenden Tierfrevel zu finden. Wie im Buche der Richter Kap. 15, 4 mitgeteilt wird, hat der israelitische Nationalheld Simson 300 Füchsen die Schwänze zusammengebunden, sie mit Feuerbränden versehen und damit die Saaten der von ihm befehdeten Philister angezündet. Das war eine Tierquälerei, wie sie kaum noch bei irgend einer der berühmten Fuchsjagden gesehen worden. Der Mann hat sich wohl um das Hebräervolk grosse Verdienste erworben, indem er ihm in einer Zeit, wo es unter dem Joche der Philister schmachtend ganz entmutigt und in voller Auflösung begriffen war, durch seine Herkulestaten neuen Mut eingeflösst; sein Verfahren wird indess von uns ohne weiteres so verurteilt, wie eine Tierquälerei, die irgend ein anderer begeht. Nur eines müssen wir hervorheben: Es kann der Lehre Moses nicht zur Last gelegt werden, dass sich in Zeiten der Verwilderung, Zerrüttung und Unwissenheit selbst Gottgläubige nicht an ihre Bestimmungen gehalten. Simsons sicher nicht den Normen der mosaischen Religion entsprechende Vorliebe für die Töchter der Philister können wir zwar nicht billigen, doch haben wir ihn darob nicht anzuklagen; unverzeihlich finden wir jedoch eine Quälerei der Füchse, gleichviel, ob sie ein englischer Lord oder ein Simson begangen. Uns will es sogar scheinen, dass auch Gott den ihm vom Mutterleibe aus geweihten Helden den schrecklichen Tierfrevel nicht verziehen und dass er darob, wenn auch mit den ihn verhöhnenden Philistern, ein so schreckliches Ende genommen. Wie sehr das Gefühl für das leidende Tier im Hebräerstamme schon in der Urzeit entwickelt war, zeigt der Umstand, dass derselbe schon vor 3400 Jahren für ins ökonomische Leben tief eingreifende Tierschutzgesetze reif befunden worden, die noch jetzt kein Tierschutzverein zu beantragen wagt, und wie richtig der Talmud den Geist dieser Gesetze erkannt, ersieht man aus seinem Grundsatze. Jede Art von Tierquälerei ist als