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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-05-01 · 5 (5.1905) · p. Seite 42

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
5 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 42 (sequence 42)
Language
German
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42 Entwicklung durch den Kultus der Unsittlichkeit in Kanaan und den Tierkult Egyptens besonders in Betracht ziehen, müssen wir einsehen, dass die lebendige Erinnerung an den Frevel, wenn auch in Gestalt eines unschuldigen Wesens unter den Menschen wandelnd, damals seelenvergiftend war. Man tut noch heutzutage gut daran, wenn man ein solches Tier beseitigt, weil sein Anblick der Erziehung der Jugend zur Sittlichkeit leicht abträglich werden kann. Will man wissen, warum man den Sündenbock in die Wüste geführt und dort abgestürzt hat, so lese man Leviticus K. 17. 7. und Herodot II. Buch 46. Wir wissen darüber nur, dass die heillose Furcht vor dem in Bockgestalt gedachten Oberhaupte der Wüstendämonen, dem der abergläubische Wahn die Ziegenböcke geheiligt, das Gruseln vor der Macht des Asasel,,sehr schwer zu bannen war. Als man jedoch sein Lieblingstier von Jahr zu Jahr in die Wüste geführt und in seinem angeblich ureigenen Gebiete in die Tiefe gestürzt, ist der Respekt vor ihm und schliesslich auch der Glaube an seine Existenz aus dem Volke ganz und gar verschwunden. In der üppigen Phantasie des Edlen wuchern noch andere biblische Tierfrevel. Er schreibt nach dem Buche Josua K 11. 1—9 Hess Josua nach gewonnener Schlacht und nach der Eroberung von Kanaan die zahlreichen erbeuteten Pferde lähmen, „weil es Gott befohlen habe". Nach II Samuelis 8. 4 Hess David nach der Schlacht 1600 erbeutete Pferde lähmen, 100 behielt er für sich. Wir begreifen nicht, wozu es nötig war, die Worte, und nach der Eroberung von Kanaan hinzuzufügen. Die falsche Auffassung der Stelle hatte ja auch ohne die unansehnliche Fälschnng dem vorscbwebenden Zwecke entsprochen, warum muss es scheinen, als ob Josua wiederholt Pferde gelähmt hätte? Die unter Anführungszeichen gegebenen Worte, weil es Gott befohlen habe, findet man dort auch nicht*), sondern die Worte: „Und Josua tat ihnen (nämlich den Feinden), wie ihm Gott verheissen hatte, er lähmte ihre Pterde und verbrannte ihre Wagen im Feuer. Um zu verstehen, was mit den Worten gemeint ist uud was eigentlich vorgegangen, muss man den ganzen Sinn und Zusammenhang der neun Verse des hebräischen Textes genau beachten uud an die Kampfweise der alten Völker gegen die mit Lanzenträgern und Pfeilschützen bewehrten Kriegswagen denken. Infanterie konnte ihnen nur dann beikommen, wenn es gelungen, die Pferdebespannung durch gegen ihre Füsse geführte Hiebe zum Sturze zu bringen oder die Wagen durch Hinschleudern von Feuerbränden anzuzünden, sonst waren selbe zumal, wenn sie durch viele Fuss- *) Es heisst dort nicht, al ascher Ziwo, sondern kascher umar und davor steht lohem.

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