Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 39 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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39 dieselbe nicht einmal die Eier vor seinen Augen aus dem Neste nehmen und musst dich aus Achtung des edlen Naturgefühles auch jeder Jagd auf das entflohene Tier enthalten, stimmt das so ganz zu ihrer Natur, wenn man aber noch obendrein auf Grund eines so böswilligen Kommentars dem erleuchteten Gesetzgeber diesbezüglich Verständnis und Empfindung abspricht, ist das schon ein Gewissensirrsinn, der moralischen Ekel erzeugen muss.15; Das Gesetz Moses hat gestattet, die jungen Vögel unter Beobachtung der angeführten Bestimmungen aus dem Neste zu nehmen, damit man es nicht späterhin so nötig finde, aus ökonomischen Gründen die sonst überall üblichen Vogeljagden auf gewisse Taubenarten, Rebhühner u dgl, zu veranstalten, wo oft Jung und Alt übel zugerichtet wird. Ueberdies ist das Gesetz immer so verstanden worden, dass die Aushebung nur zum Fleischgenusse für Menschen, nicht aber für Tiere stattfinden darf.16) Nun lesen wir in der Schandschrift weiter: Dies ist nicht der einzige Fall von Tierschutzirrung des jüdischen Reformators; in seinem zur göttlichen Offenbarung gestempelten Pentateuch befiehlt Moses: II. Buch 21, 28 — 32. „Wenn ein Ochs einen Mann oder ein Weib stösst, dass es stirbt, so soll man den Ochsen steinigen". Gibt es einen schrecklicheren, grausameren Tod als durch Steinigen? — — — III. Buch 20, 15—16. „Wenn jemand beim Vieh liegt, der soll des Todes sterben und das Vieh soll man erwürgen". Was kann denn das Vieh dafür, dass der jüdische Sünder sich selbst zum Vieh macht? Das Erwürgen, besonders von grösseren Tieren, ist eine nicht allein sehr schwer auszuführende, sondern auch höchst giausame Todesart, die mit langsamen, qualvollen Erstickungstode endigt. Am grossen Versöhnungstage zur Entsündigung und Versöhnung des jüdischen Volkes mit seinem Gott wurde ein mit allen Sünden des jüdischen Volkes beladener Bock (Sündenbock) in die Wüste gebracht und lebend von einem hohen Felsen herabgeworfen, wo er tot oder auch nur halbtot liegengelassen wurde, um dann elend zu sterben! Spricht diese am „grossen Versöhnungstage" zu verrichtende religiöse Handlung für eine wahre Liebe zu den Tieren? 15) Am empörendsten ist, dass die Verunglimpfungen mit einer Lobeserhebung eingeleitet werden, es heisst: „Besonders tierschützerischer Art sind folgende Stellen aus den Büchern Moses TL B. 23. 5. 23. 12. 20. 10. V. B. 5. 14. 22. 4 bis 7. 25. 4." Warum hüpft man über Exodus K. 22. 29. 23. 19. 24, 26 und Deuteronomium 13. 21 hinweg und berührt die Stellen in Leviticus K. 22. 27 und 28. mit keiner Silbe? Man will sie eben nicht sehen, weil man lügen will. lfi) Dass der Geist dieses Gesetzes in der Judenheit noch jetzt Einfluss übt, zeigt der Umstand, dass die religiöse jüdische Frau für sündhaft hält, einer Henne Enteneier zum Ausbrüten unterzulegen, weil selbe durch die im Weiher schwimmenden Jungen, denen sie nicht folgen kann, in Angst versetzt wird. Einer ähnlichen Einsicht wegen wird auch von den frommen Israeliten das Halten von Singvögeln unterlassen.