Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 38 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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38 •höhnung und Verunglimpfung des Alten Testamentes hätte ihnen unmöglich gefallen können; aber man war klug genug, das unterm Schaffet zu halten, bis die Herren im Landtage ihr Votum abgegeben. Die Frommen unter ihnen werden es noch schwer bedauern, dass sie durch Antastung einer wohl nur für die Israeliten gegebenen, alttestamentarischen Norm jenen geholfen haben, die den Unterbau nur erschüttern wollen, damit das Stockwerck zusammenstürze und seine Insassen unter den Trümmern begrabe. VII. Kein Fachkundiger, in dem der Wahrheitssinn noch nicht ganz erstorben ist, vermag zu leugnen, dass man in der modernen Kulturwelt noch sehr weit davon entfernt ist, den Tieren eine Schonung und Berücksichtigung angedeihen zu lassen, die derjenigen, welche die Lehre Moses verlangt, gleichkommen würde. Dass dem so ist, kann sich jeder, der die im Pentateuch diesbezüglich enthaltenen Bestimmungen liest und mit den Gepflogenheiten der Gegenwart vergleicht, vollkommen überzeugen. Wir verweisen auf Exodus K. 20, 10. K 22, 29. K. 23, 4, 5, 11, 12, 19. K 34, 26. Leviticus K. 22, 24, 27, 28. Deuteronomiuni K. 15, 21. K. 22, 4, 6, 7, 10. K. 25, 4. — Drei Momente bekunden darin eine besondere Achtung der tierischen Mutterliebe: Die Bestimmung, dass das junge Tier, man mag seiner zu welchem Zwecke immer bedürfen, zumindest sieben Tage bei seiner Mutter belassen werden muss, das Gebot: „Rind oder Schaf, Mutter und Abkömmling, dürft ihr nicht an demselben Tage schlachten" und das dreimal eingeschärfte Gesetz: „Du darfst das junge Tier nicht kochen in der Milch seiner Mutter". Da sollte man doch glauben, dass es ganz und gar ausgeschlossen ist, dass jemand, der im Pentateuch belesen, die Behauptung aufstellen könnte, Moses habe die bei den Tieren hoch entwickelte Mutterliebe nicht gekannt, geschweige denn für dieselbe eine Empfindung gehabt. Und dennoch ist eine bodenlose Verlogenheit auch das imstande. In einer Polemik wider die Schrift des Sanitätstierarztes Simon, in der das von uns im ersten Kapitel mitgeteilt e Vogel Schut zgeset z ein von rührender Zartheit zeugendes Gebot genannt wird, heisst es nach einer unterschobenen Auslegung, welche lautet: „Nimm die Jungen aus dem Neste, sie haben mehr Wert als die Mutter, welche du fliegen lassen musst, weil sie dir im nächsten Jahre wieder Junge liefern wird", nach anderem: „Und der Urheber eines solchen Gebotes, der die bei den Tieren so hoch entwickelte Mutterliebe nicht kennt, geschweige denn für dieselbe eine Empfindung hat, wird vom Sanitätstierarzt Simon hoch über unsere zeitgenössischen Tierschützer gestellt"! AVenn Menschen von niedriger Gesinnung nicht herausfinden, dass mit den Worten des Gesetzes gesagt ist: du darfst das Gefühl der mütterlichen Liebe nicht missbrauchen, um dem Vogel die Freiheit zu nehmen, darfst aus Rücksicht auf