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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-05-01 · 5 (5.1905) · p. Seite 33

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
5 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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33 der mehr als 4000 Schlachtungen prüfenden Blickes beobachtet hat, über das in Sachsen und in der Schweiz erfolgte Schächtverbot geschrieben: „Ich möchte den Arzt sehen, der in einer medizinischen Gesellschaft in Gegenwart seiner Kollegen, ohne zu erröten und die Achtung vor sich selbst zu verlieren, dieses Verbot rechtfertigen und behaupten würde, die jüdische Schlachtmethode sei wirklich eine barbarische!" Wer hat Recht? Uns will es scheinen, dass ebenso wie sich in der Person des hochwürdigen Herrn Pater Laux ein katholischer Priester gefunden hat, welcher die Behauptung aufgestellt, dass das Schächten eine rabbinisehe Einrichtung sei und dass sich im ganzen Alten Testamente keine Vorschrift über das Töten der Tiere finde,9) sich auch ein antisemitischer Arzt finden kann, der selbst in einer medizinischen Gesellschaft ob eines Unsinnes, den ihm seine hasserfüllte Phantasie vorgegaukelt hat, nicht errötet. Insoferne hat Herr Dr. Dembo Unrecht; aber Herr Dr. Krenn hat noch weniger Recht. Seine Aufstellung ist in einer Form gehalten, die den Laien glauben machen könnte, dass es einer vollständigen Blutleere des Gehirnes bedarf, um das Tier bewusstlos zu machen, in Wahrheit führt aber schon eine starke Verminderung der Blutzufuhr zum Grosshirn oder eine plötzliche bedeutende Verringerung seines Blutgehaltes bei Menschen und Tieren zur Ohnmacht. Was der Herr von der Leistung der vertikalen Arterie des Rückenmarkes gesagt, kann erst wahr werden, wenn es dem lieben Gott gefällt, das Gehirn der tierischen Wesen umzubauen und ihren Blutkreislauf zu ändern. Insolange das nicht geschehen, wird schon das Absperren der Carotiden nach wenigen Sekunden, wie durch Experimente vielfach erwiesen ist, Ohnmacht erzeugen, während das Absperren der Genickschlagadern das Bewusstsein nicht beeinträchtigen wird. Es werden sich demnach sowohl in der Jetztzeit als auch in aller Zukunft Physiologen finden, welche Gutachten, wie sie Vogt, Virchow, Du Bois-Reykeit bedeutet, grosse Verdienste erworben. Was gewisse Wortverdreher von seinem Werke „Das Schächten im Vergleich mit andern Schlachtmethoden" widerlegt zu haben glauben, ist nur genau soviel, als sie ihm untergelegt. Sehr wertvoll ist auch sein hebräisches Werk über Schächten, rituelle Fleischbeschau und Tierschutz. 9) Ob der geistliche Herr auch einmal bedacht hat, dass das Wort Schächten aus der Bibel stammt, dass es eine deutsche Form des Ausdruckes Schachat ist, der überall vorkommt, wo Tötung der Opfertiere durch Halsschnitt vorgeschrieben ist? Andere finden das Wort in den verschiedenen Formen in der Bibel Jesu und der Apostel, im Alten Testament, in dieser Anwendung sehr oft; man tut am besten, man fragt gar nicht, warum es Herrn Professor Dr. Laux entgangen ist. Wir verweisen nebenher auf Exodus 34, 25, Leviticus 14, 5. Samuel I. B., 14, 34, Chronik IL 29, 22 und müssen, auf die bereits erklärten fünf Verse des 12. Kapitels Deuteronomium zurückweisend, noch bemerken, dass sich selbe unmöglich auf Vers 15 beziehen können, weil dort kein „Gebot" vorkommt. 3

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