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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-05-01 · 5 (5.1905) · p. Seite 34

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
5 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 34 (sequence 34)
Language
German
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84 mond, Exner u. a. m. abgefasst haben, mit gutem Gewissen abgeben werden10). In allen diesen Dingen hat Herr Dr. Krenn Unrecht. Nur eines muss man zugeben: Nachdem im Gemeinderate der Stadt Wien nach den Worten des Rassenpsychologen Bielohlawek : ,.Ich werde nicht mit Autoritäten kommen wie Yirchov und Konsorten k'; die Rufe erschollen: „Alle bestochen i" wird es gar mancher Physiologe nicht ratsam finden, seine Meinung über das Schächten so freimütig zu äussern, wie sie sonst kundgegeben worden wäre. Herr Bielohlawek hat wohl etwas wie von Scham empfunden, indem er gesagt: „Ich glaube nicht, dass die Autoritäten, welche zu Gunsten des Scbächtens geschrieben haben, wirklich bestochen worden sind", dieselbe muss aber nicht lange angehalten haben, sonst hätte der höfliche Mann die Schweinerei nicht in der jüdischen Rasse, sondern in der Ungezogenheit dieser Rufe gefunden, darum wird die aus seinem Munde gekommene kärgliche Zurückweisung nicht fruchten. Tröstlich ist nur, dass die wissenschaftlichen Wahrheiten, auf welche gestützt die Autoritäten ihre Gutachten abgegeben baben, niemals irgend einer Begutachtung bedürfen werden. Wir wollen indess dem temperamentvollen Herin seinen unrecht angebrachten Kraftausdruck verzeihen, er hat uns datür durch seine wahrscheinlich beim Studium noch ungedruckter Manuskripte des Propheten Moses gemachte Entdeckung eines Gesetzes, nach welchem das Fleisch kranker Tiere veibrannt werden muss, reichlich entschädigt. Ungleich ernster ist Herr Hierhammer zu nehmen. Derselbe hat von Wahrnehmungen erzählt, die er bei wiederholten Schlachtungen im Auslande11], sowie in Wien gemacht habe, eines Falles erwähnt, wo ein Büffel mit dem Schächtschnitte sich losgerissen und noch mehrere Minuten im Schlachthofe herumgelaufen sei, bis er endlich bewusstlos zusammengebrochen, und gesagt, er könnte ebensoviele Gutachten produzieren, die gegen das Schächten sprechen. Dann hat der genannte Herr die Kontraredner verdächtigt, dass sie nicht aus innerer Ueberzeugung gesprochen, und dabei gesagt: „Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn im finstern Aberglauben lebende Juden manchesmal Dinge begehen, die unter ,u) Wir hatten nicht alle Gutachten zur Verfügung. Es sind 113 Universitätsprofessoren der Physiologie, Pathologie usw., 38 Professoren der Tierheilkunde, 202 Tierärzte und 14 Metzgerinnungen und Grossschlächter, die sich zu gunsten des rituellen Verfahrens geäussert; wahrlich eine gute Gesellschaft, der sich kein anständiger Mensch schämen kann. n) Herr Hierhammer hat sich auf seiner Studienreise, die vielleicht das Geheimnis birgt, warum man zu der Aktion die Zeit vom 14. März 1899 bis zum Herbst 190* gebraucht hat, sicherlich nicht aus Mecklenburg-Schwerin Belehrung geholt. Am 8. Dezember 1899 hat der dortige Landtag eiuen Antrag auf Erlassung eines Schächtverbotes durch Uebergang zur Tagesordnung abgelehnt. Während der Verhandlung hat der General der Infanterie Herr Bronsart von Schellendorff auf Gross-Tessin eine ausführliche Rede gehalten, in welcher er allen Anklagen, die gegen das rituelle Verfahren gerichtet werden, entschieden entgegengetreten und dasselbe als die humanste, sicherste und rationellste Tötungsart gerühmt hat.

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