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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-05-01 · 5 (5.1905) · p. Seite 30

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
5 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 30 (sequence 30)
Language
German
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30 Oder verhält es sich besser, wenn die Maske nicht recht passt, der Bolzen unrecht eingetrieben wird oder gar ausspringt und wiederholt eingesetzt werden muss und dann erst in der nicht an rechter Stelle befindlichen Oeffnung umgebohrt wird, um das Rückenmark zu treffen? Gewiss nicht. Geschosse haben, wie die Kriegschirurgie lehrt, auch wenn sie aus der Nähe abgefeuert werden, ihre Launen, zumal wenn sie auf harte, feistglatte Körper stossen. Mit Röntgenstrahlen suchend, findet man solche mitunter an Stellen, wo sie vermöge der Lage der Schussöffnung nicht zu erwarten wären. Es bedarf daher nur einer unmerklichen Zufälligkeit einer kaum nennenswert schrägen Richtung; wird das Gehirn des Ochsen nur in unzulänglichem Masse beschädigt oder die Kugel bleibt gar in einer der Knochenhöhlen stecken, was für Schmerzen sind dann denjenigen vergleichbar, die das Tier dadurch erleidet? Man macht überhaupt aus der sogenannten Pistole zu viel Wesen. Schlachthäuser vertragen keine Kanonaden, weil selbe für viele Tiere gleichzeitig Quälereien bedeuten, und es sind überdies beim Schiessen leicht Unfälle möglich. Was hat das Versetzen eines Geschöpfes in einen solchen Zustand mit Betäubung zu tun? Freilich sind das Fehlschlachtungen und wenn auch nicht gar selten, doch immerhin nur Ausnahmen, doch sie liegen in der Natur dieser Schlachtarten selbst, während das Schächtmesser niemals fehlgeht, auf keinen natürlichen Widerstand stosst und immer jene Organe trifft, die es treffen soll, wenn nicht sehr sträfliche Vernachlässigung strenger religiöser Pflichten und staatlicher Gesetze einer blöden Unbeholfenheit die Hand reicht., vi. Auf Menschen, die das Wesen eines Dinges nicht kennen machen die Worte, mit welchen man es bezeichnet, einen Eindruck, der auf das Urteil, das sie sich darüber bilden, Einfluss nimmt. Diesem Umstände Rechnung tragend, nennen unsere Widersacher die rituelle Methode das betäubungslose Schächten, während sie das betäubungslose Erschlagen und Niederschiessen als Betäubung bezeichnen und von einem betäubungslosen Abstechen nichts verlauten lassen. Unser reges Interesse gilt vornehmlich dem betäubungslosen Erschlagen, weil man in Niederösterreich verlangt, dass es überall der Schächtung vorangehe. Der Wiener Stadtrat hat dem Wunsche des Landtages gemäss beschlossen: „Es seien sämtliche in den Schafe schlagen, um die Juden zu treffen und dann von dem Schöpfer dieser guten milden Wesen Seelenheil erwarten, ist doch etwas, was selbst der wütendste Antisemitismus unsinnig finden sollte.

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