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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-05-01 · 5 (5.1905) · p. Seite 28

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
5 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
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Reaktion kann man als den Ausdruck einer Empfindung betrachten, die beiden letzten dagegen nicht, denn sie können auch ohne Grosshirn zustande kommen. Nicht viel anders dürften sich, was die Dauer der Empfindung anbelangt, grössere Schlachttiere verhalten. Nach Kühne bestand zum Beispiel beim Rinde die oben beschriebene Sehreaktion zehn Sekunden lang. Zieht man noch in Betracht, dass die Erfahrung lehrt, dass plötzlich herbeigeführte grosse Verletzungen vom Menschen im ersten Momente nicht schmerzlicher empfunden werden als kleine, befindet man sich auf einem Boden, von dem aus ein human vorbereitetes, pflichtentsprechend ausgeführtes Schächten nie und niemals als Tierquälerei erscheinen kann. Freilich kann es bei der Vorbereitung zum Schächten, ganz so wie bei der Vorbereitung kleinerer und grösserer Tiere zur Kastration oder sonstigen Operationen niemals ohne Unannehmlichkeiten für dieselben abgehen. Sie müssen bei allen derartigen Hantierungen sowohl zum Zwecke dieser selbst, als auch zum Schutze der dabei wirkenden Menschen in unbequeme Lagen gebracht werden. Wer indess schon das Tierquälereien gleichstellen wollte, müsste den Menschen das Recht absprechen, junge Ochsen vor den Pflug zu spannen oder Pferde mit beladenem Wagen bergauf gehen lassen, weil die Tiere dabei immer bedeutende Unannehmlichkeiten und grosse Unbequemlichkeiten, die sogar von langer Dauer sind, ganz gegen ihren Willen erdulden müssen. Eine derartige Sentimentalität mag sich sehr schön ausnehmen; es ist nur schade, dass diese beste aller Welten so eingerichtet ist, dass sich das Menschengeschlecht nicht erhalten könnte, wenn sie herrschend wäre. Jede Art Schlachtung stellt einen rohen Angriff auf das Leben eines unschuldigen Wesens dar, der auf den Gefühlsmenschen einen widerwärtigen Eindruck machen muss. Todesschatten senken sich über eine solche Szene überall Was man da sieht, bedeutet Tiermord und was man dort sieht, nichts anderes. Schaurig klingt das Röcheln, das dem Schächtschnitte folgt, und furchtbar ergreifend das Stöhnen des Tieres, das mit zertrümmerter Schädeldecke, mit dem eingetriebenen Bolzen oder mit einer in den Kopf gedrungenen Kugel zum Falle gebracht wird. Was die Situation mildert, ist bei allen Tötungsarten die Vorbotin des Todes, die gleich bei ihrem Beginne den Schmerz auflösende Ohnmacht; sobald sie ihre sanften Fittige ganz ausgebreitet, schwindet das Bewusstsein vollkommen, und was man dann noch an mehr oder minder unheimlichen Erscheinungen wahrnimmt, sind die verschiedenen Phasen des Sterbens, welches je nach der Lebenszähigkeit des Tieres bei jeder Schlachtungsart von verschiedener Dauer ist. Die Ohnmacht, oder mit einem anderen Worte der Betäubungszustand des Schlachttieres erfolgt überall erst nach der Ausführung des gewalttätigen ^Eingriffes, welcher Art er auch immer sein mag

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