Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Haut des Halses durchschnitten haben und noch rechtzeitig an der Weiterführung des Schnittes verhindert worden sind, übereinstimmend mitteilten, dass sie bei der Selbstverletzung keinen heftigen Schmerz empfunden haben, ein Tier, dem man die Haut des Halses mit einem haarscharfen, schartenlosen Messer rasch durchschneidet, dabei noch weniger empfindet. Aus derartigen, an Menschen gemachten Erfahrungen darf man auf das Befinden der Tiere, welche in ähnliche Zustände geraten, bei nüchterner Erwägung schliessen, nicht aber aus menschlichen Zuständen, bei welchen spezifisch menschliche Intelligenz mitspielt. Da wir uns nun einmal mit Gegenständen befassen müssen, auf die das Sprichwort: „Lieb und Lust zu einem Ding, macht alle Müh und Arbeit gering" keine Anwendung finden kann, können wir nicht umhin, einiges über die letzten Lebensäusserungen der Körpersubstanz in Kürze zu bemerken: Wenn die ernsteste Phase im Dasein des Organismus, das Sterben, eintritt, büssen nicht alle Teile desselben gleichzeitig ihre vitalen Eigenschaften ein; es gibt deren solche, die selbst noch, nachdem das Herz stille steht, eine gewisse Zeit auf entsprechende Reize reagieren. Selbst die Hauptbestandteile des Gehirns sterben in der Regel nicht mitsammen auf einmal. Diesbezüglich hat man gerade bei der Beobachtung von Verblutungen merkwürdige Erfahrungen gewonnen. Es ist festgestellt, dass die bekannten Verblutungskrämpfe bei Tieren auch dann eintreten, wenn die Halbkugeln des grossen Gehirns, die Organe des Bewusstseins, entfernt worden und ebenso hat man die Erfahrung gemacht, dass das Tier auch, nachdem man das Grosshirn ausgehoben, auf direkte Berührung des Auges reagieren kann. In Hinsicht des letzterwähnten Umstandes erscheint es uns wichtig, eine in dem Gutachten des Herrn Professor Dr. Grützner, Vorstand des physiologischen Instituts an der Universität Tübingen, enthaltene Frage und seine darauf erteilte Antwort hieherzusetzen. Hier der Wortlaut: „Frage 3 : Ist für die Feststellung der nach dem Schächtschnitte noch andauernden Fähigkeit der Schmerzempfindung nur die in der raschen Annäherung der Hand an das Auge bestehende Kornea-Untersuchung massgebend oder kommt hierfür auch die durch Berührung des Auges mit dem Finger hervorgerufene Reaction der letzteren in Betracht.? Ist auch diese noch als Zeichen von bewusstem Sehvermögen aufzufassen? Antwort zu 3: Meine hierüber angestellten Untersuchungen haben mir ergeben, dass die Augen kleiner, durch den Halsschnitt getöteter Säugetiere in Folge greller Beleuchtung, wenn überhaupt, sich höchstens acht Sekunden nach dem Schnitte ein wenig bewegten. Berührungen der Hornhaut dagegen erzeugten Blinzeln der Augen längstens 35 Sekunden nach dem Schnitte. Schnappende Atembewegungen bestanden noch nach Minuten. Nur die erste