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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-05-01 · 5 (5.1905) · p. Seite 26

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
5 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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26 unbestimmt bleibt alle Theorie, die sich nicht auf innere oder äussere Erfahrung gründet, doch ebenso problematisch ist der wissenschaftliche Wert aller Beobachtung der Dinge und Erscheinungen, wenn bei derselben die begründeten Theorien ausseracht gelassen werden und dafür die leichtbeschwingte Einbildungskraft so schalten darf, dass Unterschiede, wie die zwischen grün und gelb, ahnungslos übersahen werden können. Uns nur an die durch mannigfache Erfahrungen, Vergleichungen und Studien wissenschaftlich geschulter, gewissenhafter Beobachter erlangten Ergebnisse haltend, empfehlen wir noch folgendes einer eingehenden Würdigung: Wir Menschen sind die Schmerzenskinder der Erdenwelt, wir sind an den meisten Teilen unseres Körpers empfindlicher als die Tiere im Allgemeinen und als die Wiederkäuer überhaupt. Waltet schon im animalischen Leben ein wesentlicher Unterschied zwischen Mensch und Tier, ist derselbe, wo es sich um die Angst vor den Folgen körperlicher Eingriffe und um das Mitleid mit sich selbst und andern handeln soll, insoferne nicht Mutterliebe mitspielt, geradezu himmelweit. Das Seelenleben der Tiere und der apathischen Rinder und Schafe überhaupt ist von dem der Menschen so grundverschieden, dass man die Vorstellung, das zu tötende Tier könnte durch Gefühle von der Art derjenigen eines in gleicher Lage befindlichen Menschen beängstigt werden, als Phantom zurückweisen muss. Man darf diesbezüglich, wie vielen Anderen, auch dem sächsischen Medizinalrate Professor Johne glauben, der im 39. Jahrgange Nr. 2, Seite 4, der Zeitschrift Androclus, zur Beruhigung sentimentaler Tierfreunde, geschrieben : „Trotz aller gegenteiligen Behauptungen solcher warmherziger Tierschützer, welche das Seelenleben unserer höher organisierten Haustiere nahezu auf eine Stufe mit dem des Menschen gestellt sehen möchten, bleiben dieselben doch nur wenig begabte Geschöpfe, wenigstens nur Wesen, welche den Grund unserer Handlungen, am wenigsten aber den Grund der an ihnen zu Heilzwecken notwendigen Operationen nicht einzusehen vermögen". Obwohl der menschliche Körper in vielen Hinsichten dem der köheren Tierarten ähnlich organisiert ist, hat er einen ganz und gar eigentümlichen, von demjenigen der Tiere grundverschiedenen Lebensinhalt. Der Unterschied beginnt schon bei der Empfindungsfähigkeit, steigert sich bei den Gefühlsregungen ausserordentlich und ist, das intellektuelle Leben betreffend, über alles Tierische so hoch erhaben, dass es ganz unbegreiflich erscheint, wie solche überirdische Kraft mit animalischen, dem Tode entgegengehenden Wesen etwas gemein haben kann. Wenn der ob seiner hohen Bestimmung in allen Teilen mit einer ausserordentlichen Lebensfülle ausgestattete Menschenkörper an Verblutung auf eine einschläfernde milde Weise stirbt, ist ähnliches beim Tiere gewiss der Fall. Ebenso sicher ist es, dass, nachdem Menschen, welche sich in selbstmörderischer Absicht die

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