Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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25 der Ohnmacht zuerst das Schmerzgefühl und dann erst — eine merkliche Zeit später — das Bewusstsein überhaupt erlischt2). Darauf kommt es hier an. Das geschlachtete Tier wird einige Sekunden nach dem Schnitt ohnmächtig wegen Anämie des Gehirns, da das Herz rapid das Blut zum Körper hinauspumpt, es kann also den Schmerz nicht mehr fühlen, obgleich es die Besinnung noch nicht verloren hat und Lidschlag noch ausführt. Erst wenn die Verblutung noch weiter fortgeschritten ist, verliert das geschächtete Tier die Besinnung, d. h. das Bewusstsein und erwacht nicht mehr, mögen seine Bewegungen noch so heftig sein. Demnach muss der Verblutungstod schmerzlos sein. Uebrigens erklären bekanntlich oft Patienten, an denen während der Chloroformnarkose chirurgische Operationen ausgeführt werden, dass sie zwar keinen Schmerz, aber die Berührung des Messers gefühlt hätten. Auch bei dieser Art der Bewusstlosigkeit erlischt also das Schmerzgefühl zuerst. Es tritt Analgesie bei noch vorhandenem Erinnerungsvermögen ein"3). Ein Ueberblick über alles, was wir somit vorgebracht, und die Berücksichtigung aller Einzelheiten muss überzeugen, dass Moses das Richtige getroffen, indem der rituell ausgeführte Schächtakt keine Quälerei bedeuten kann. Zufall kann das nicht sein, denn er sagt an einer Stelle: „Schlachte nicht bei Gesäuertem das Blut meines Opfers".1) Wird etwa das Blut geschächtet? Da ist denn doch nichts anderes gemeint als das Durchschneiden der Blutgefässe, die Durchtrennung des Blutlaufes als Tötungsart, und so wird er auch in die Natur der Sache, in die Natur des, wie er sich anderwärts ausdrückt; „lebendigen Blutes"5), tiefer hineingeblickt haben, als sich manche Schulweisheit träumen lässt. Wir verharren übrigens, gleichviel ob wir uns derartige Dinge zu erklären wissen oder nicht, auf dem Standpunkte, dass der Gott, der die Naturgesetze geschaffen, unsern grossen prophetischen Gesetzlehrer erleuchtet hat, und sind festen Glaubens, dass uns nur Rechtes befohlen worden, auch wenn uns Widersacher darob verhöhnen. V. „Grau, Freund, ist alle Theorie. Doch grün des Lebens gold'ner Baum." Obwohl die üppige Phantasie des Dichters nur in einem unbewachten Momente von dem Grün des gold'nen Baumes geträumt, dürften seine Worte geeignet sein, damit zu sagen: Matt und 2) Herr Professor Hoppe Seyler berührt diesen Umstand mit den Worten: „Das Aufhören der Schmerzempfindung geht oft nachweisbar der Bewusstlosigkeit voraus". 3) Beachtenswert ist auch, dass man oft im tiefen Schlafe beigebrachte, sonst schmerzliche Verletzungen wohl soweit empfindet, dass man darauf durch Abwehrbewegungen reagiert, aber selbe dennoch nicht schmerzlich fühlt. 4) Exodus, K. 34. 25. 5) Leviticus, K. 17. 14.