Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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23 keit zu erwecken. Man mtisste schon das Grosshirn für ein Pfuschwerk halten, wenn man nur die anatomische Möglichkeit zugeben wollte1). Diesen Umständen entsprechen die Erfahrungen. Man hat Menschen schon oft beide Vertebralarterien auf längere Zeit unterbunden, ohne dass dies auf das Organ des Bewusstseins schädlichen Einfluss genommen hätte. Ungleich anders waren die Folgen von an Tieren und Menschen unternommenen Versuchen von Unterbindungen der Carotiden, die nur sehr kurze Zeit gewährt haben: Sie haben gezeigt, dass selbst der stärkste Mann, wenn man ihm die beiden Arterien am Halse langsam zusammengepresst und so den Blutzufluss durch dieselben zum Gehirn hindert, binnen 8 Sekunden das Bewusstsein vollkommen verliert, und dass ähnliche Unterbindungen bei Tieren in 8 bis längstens 18 Sekunden schon jene allgemeinen schrecklichen Zuckungen eintreten, wie sie am Ende tötlicher Verblutungen und bei Fallsüchtigen vorkommen. Das Alles ist der Fall, obwohl das Lebenselement im Körper nicht weniger geworden, die Genickschlagadern dem Gehirne ihr Blut zuführen, Atmung und Herztätigkeit stattfindet und keine Verletzung beigebracht worden und geschieht nach so wenigen Sekunden. Nun erwäge man Alles, was wir vorgebracht, im Einzelnen und zusammengenommen, behalte die vielen wissenschaftlichen Tatsachen im Auge und lege sich die Frage vor, ob ein Tier, dem man die grossen Arterien die das Blut vom Herzen zum Gehirn führen und die grossen Venen, die es vom Kopfe zum Herzen leiten und alle anderen Halsgefässe durchgeschnitten hat, nicht sofort nach dem raschen Hervorsturz des hellroten Blutes aus dem Kopfe von einer Ohnmacht erfasst werden muss und ob in solcher Situation noch die zur Aufhebung einer Ohnmacht nötigen Bedingungen vorhanden sind. Wer einen gesunden klaren Verstand besitzt und keinen verlogenen Willen hat, muss zugeben, dass die Katastrophe im Grosshirn sehr bald nach dem Schnitt eintritt und dass sie auch eine nachherige Verstopfung der Carotidenstümpfe durch geronnenes Blut nicht aufzuheben vermag. Das Streben, über die Sache möglichst Klarheit zu verbreiten, bestimmt uns, folgendes aus den von dem Professor Dr. W. Preyer, Direktor des physiologischen Instituts an der Universität Jena (dann in Berlin), im Jahre 1893 erstatteten zwei Gutachten wörtlich mitzuteilen. Der Gelehrte, welcher das Schächten öfter im Schlachthause beobachtet hat, äussert darüber: *) Der Tierarzt und Schlachthausverwalter J. P. Jungers in Mühlhausen schreibt darüber: „Von verschiedenen sachverständigen Gegnern des Schächtens wurde schon mehrere Male auf die fortbestehende Blutzufuhr zum Gehirn durch die Halswirbelarterie hingewiesen. Betrachtet man jedoch den anatomischen Verlauf dieser Arterie, dann findet man zwar, dass sich dieselbe mit dem unteren Aste der Oberhauptarterie verbindet, sie versieht jedoch nur die am Oberhaupt gelagerten Muskeln nicht aber das Gehirn mit Blut".