Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Gleichmässigkeit des Blutstromes am genauesten ab, das zeigen folgende Erscheinungen sehr deutlich : Haben Gemütsbewegungen, sei es plötzlich niederdrückender oder plötzlich freudig erregender Art, die Herztätigkeit für einen Moment unterbrochen, tritt sofort Verlust des Bewusstseins ein, das Gehirn ist ohnmächtig, weil das darin befindliche Blut nicht kreist und in der Folge nicht als erregendes Element entsprechend wirkt. Die Verstopfung eines einzigen Gefässes in einer bestimmten Partie des Gehirnes reicht hin, eine gleichgefährliche Bewußtlosigkeit plötzlich herbeizuführen. Eine schnell eintretende Ueberfüllung des Gehirns mit Blut bewirkt die Unterbrechung seiner Tätigkeit und ebenso hat eine schnelle Verminderung des Blutes in der Gehirnmasse ein rasches Schwinden des Bewusstseins, der Sinne, der Empfindungsfähigkeit und der willkürlichen Muskelbewegungen zur Folge. Die letzteren drei Zustände kommen vor und können einige Zeit anhalten, obwohl der Kontraktionszustand der Gefässmuskulatur ungeschmälert fortdauert und Herz und Lunge in steter Tätigkeit geblieben und fortwirken. Das seinen Zwecken dienende Blut wird dem Gehirn durch vier Arterien zugeführt. Es sind dies die beiden aus dem Halse kommenden Gehirnsihlagadern (carotis interna) und die beiden Wirbelschlagadern (arteriae vertebrales). Letztere, deren Durchmesser ungefähr drei- bis viermal kleiner ist als derjenige der Gehirnschlagadern, vereingen sich zu einer Arterie und sind durch Seitenzweige mit den ersteren, nämlich mit den Carotiden, verbunden. So besteht an der Gehirnbasis ein Arterienring, von welchem aus die kleineren Zweige für die Gehirnsubstanz abgehen. In der letzteren kommen nur sehr feine Gefässe, diese aber in ausserordentlicher Anzahl und Dichtigkeit vor. So verhält es sich mit der Zufuhr und auf ähnlich engen verschlungenen Wegen muss das gebrauchte Blut durch die Gehirnvenen seinen Lauf nach Aussen nehmen. Wie es dem Grösseverhältnis des Durchmessers der Carotiden zu den Vertebralarterien entspricht, sind die beiden ersteren für die Zufuhr von mindestens 9/io un(^ die letzteren nur für die Zufuhr von höchstens '/10 des Blutes zum Gehirn eingerichtet. Demgemäss sind die vielen zarten Blutgefässe angelegt und den Richtungen, aus welchen das Blut einströmen und fortgeleitet werden soll, entsprechend geordnet, und es ist dabei nebenher trotz des vielfach verschlungenen Ganges auch auf den rechtzeitigen Rücklauf behufs Erneuerung des Elementes Bedacht genommen. Schon aus dem geht mit mathematischer Gewissheit hervor, dass die Halsschlagadern allein unmöglich imstande sein könnten, das Organ des- Bewusstseins in Tätigkeit zu erhalten, geschweige denn zur Tätig-