Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 dieser Frage mit anderen Vereinen ernsthaft in die Hand zu nehmen hätte. Herr K ö s e r beantragt, zur Schaffung eines Fonds zur Regelung der Emigrationsfrage an die grösseren Kultusgemeinden heranzutreten. Herr Mathias L ö b 1 teilt das Resultat einer Unterredung mit Mr. Fielding, dem Finanzminister für Kanada, mit, nach welchem in dem genannten Lande infolge Arbeitermangel an Einwanderer Grund und Boden und auch Reiseunterstützungen vergeben werden. Herr Dr. Kaminka bemerkt, dass die preussische Polizei Emigranten, welche keine Schiffskarte besitzen, nicht über die Grenze lässt, welche Massnahme auf den Wunsch der Berliner Wohltätigkeitsvereine zurückzuführen sei, die kein unerwünschtes Material bekommen wollen. (Heftige Protestrufe.) Die „Allianz" habe in Krakau, Oswiecim und Mährisch-Ostrau Komitees eingesetzt und sei darum besorgt, die Emigranten nicht nur zu expedieren, sondern auch an der Ankunftsstelle ihnen Arbeit zu verschaffen. Herr L ö b 1 erklärt, dass laut Erklärung des kanadischen Finanzministers jeder Familienvater über luO Katastraljoch Land und eventuell im Vorhinein das Reisegeld erhält. Herr Deutsch hebt hervor, dass für die Emigranten viel zu wenig Geld da sei und dass jeder einzelne Jude in jeder Hinsicht an dem Hilfswerke für unsere Glaubensgenossen mittätig sein müsse. Herr Prof. Dr. Ehrmann wendet sich unter lebhafter Zustimmung der Versammlung gegen die Behauptung des Herrn Dr. Kaminka, dass die preussische Polizei im Auftrage der jüdischen Wohltätigkeitsinstitutionen nicht genügend bemittelte Auswanderer die Grenze nicht passieren lasse, und betont die aufrichtige Hingebung und Liebe, mit welcher die genannten Körperschaften sich ihrer hilfsbedürftigen Glaubensgenossen annehmen. Diese Vorfälle seien nur auf die Intervention der verschiedenen Schiffahrtsgesellschaften zurückzuführen, welchen unbemittelte Auswanderer Unannehmlichkeiten bereiten. Herr Max Markus beanständet die rücksichtslose Behandlung der russischen Emigranten seitens der „Israelitischen Allianz". Sekretär Fleischer bemerkt gegenüber Herrn Dr. Kaminka, dass auch einzelnstehende, sehr arbeitsfähige und arbeitswillige junge Leute sich an die „Union" mit der Beschwerde wenden, dass sie von der hiezu berufenen Stelle nicht befördert werden. Herr Dr. P i e k a r s k i tritt gleichfalls gegen die nicht entsprechende Behandlung unserer hilfesuchenden Glaubensgenossen auf und stellt den Antrag: Die „Union" möge ein Komitee einsetzen, welches lediglich den Zweck haben soll, eine Kontrolle über die Behandlung der Emigranten seitens der „ Allianz" auszuüben.