Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 5 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 entführt und ins Charitenkloster nach Krakau gebracht. Auf unsere Veranlassung suchte Herr Dr. Raphael Landau in Krakau um die zwangsweise Abnahme des Kindes an, worauf die Krakauer Polizeidirektion einen Polizeikommissär in das Kloster entsendete und daselbst die Ausfolgung des Kindes verlangte. Die Oberin brachte das Kind selbst zur Polizeidirektion, wo es den Eltern tibergeben wurde. Dieser erste Fall eines entschiedenen Vorgehens der Staatsgewalt gegen die Zurückhaltung jüdischer Kinder in christlichen Klöstern wird hoffentlich nicht vereinzelt bleiben. (Lebhafter Beifall.) Seither ist auch in H u s i a t y n ein ähnlicher Fall vorgekommen, dessen genaue Umstände von unserem Sekretär an Ort und Stelle erhoben wurden: Die 14 jährige Jente Weitmann entwich am 19. März unter Beihilfe mehrerer christlicher Personen aus dem Elternhause und ist wahrscheinlich in ein Kloster gebracht worden. Obwohl der Vater in einer am 21. März beim Bezirksgerichte Husiatyn erstatteten Strafanzeige alle jene Personen namhaft gemacht hatte, welche der Teilnahme an dem Verbrechen der Entführung verdächtig erscheinen, waren diese Personen dennoch bis zum 5. April vom Untersuchungsrichter nicht einvernommen worden. Wir haben hierüber an das Justizministerium eine dringende Vorstellung gerichtet, welches vom Bezirksgerichte Husiatyn die Vorlage der Akten verlangt hat. Die Ausforschung des entführten Mädchens ist durch die politischen Behörden eingeleitet worden* Wir erwähnen hier noch, dass unser Sekretär am 13. Jänner 1905 einen 16 jährigen Knaben, welcher am 24. Mai v. J. aus dem Elternhause in Wien unter Umständen flüchtig geworden ist, die auf eine Entführung durch Missionäre schliessen Hessen, mit Hilfe der bayrischen Behörden in seinem Aufenthaltsorte zu Ampflng bei Mühldorf in Oberbayern ausforschte und nach Wien zu seiner Familie zurückbrachte. Ueber andere wichtige Aktionen unseres Rechtsschutzbureaus sind unsere Mitglieder durch die fortlaufenden Berichte der „Monatschrift" in Kenntnis gesetzt worden. Selbstverständlich eignet sich nicht jeder Rechtsschutzfall zur Veröffentlichung und angesichts eines Gegners, der nur zu sehr geneigt ist, auch die unverfänglichsten Tatsachen zu missdeuten und zu entstellen, sind wir gezwungen, über zahlreiche Interventionen unseres Rechtsschutzbureaus gerade dann Stillschweigen zu bewahren, wenn sie von dem gewünschten Erfolge begleitet waren. Wir führen hier nur noch kurz an, dass das Präsidium anlässlich der niederösterreichischen Schulreform sowohl beim Ministerpräsidenten, als auch beim Unterrichtsminister gegen die Zurücksetzung der Vertreter der jüdischen Konfession im Ortsschulrate vorstellig geworden ist und dass wir angesichts des bevorstehenden Abschlusses des Handelsvertrages mit Russland bei den massgebenden kommer-