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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-05-01 · 5 (5.1905) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
5 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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händlern jederzeit zur Verfügung zu halten. Seither ist auch tatsächlich keine weitere Klage von Seiten der kleineren Händler erhoben worden und wir haben durch diese Intervention einige Tausend ehrlicher jüdischer Existenzen vor dem Untergange bewahrt. (Lebhafter Beifall.) Nicht minder wie die jüdischen Gewerbetreibenden, hat unter den herrschenden Zuständen die jüdische Berufsintelligenz zu leiden. Der Kampf gegen die jüdischen Aerzte, Advokaten Beamten und Lehrer nimmt immer schärfere Dimensionen an,, wobei sich die Gegner mit der heuchlerischen Phrase decken, dass die Zugänglichkeit der öffentlichen Aemter für alle Konfessionen im Staatsgrundgesetze nur prinzipiell ausgesprochen ist, im einzelnen Falle aber eine Verpflichtung zur Anstellung jüdischer Bewerber weder für den Staat, noch für die Gemeinden existiere. Wir waren bemüht, auch auf diesem schwierigen Gebiete eine Besserung herbeizuführen. Als das schreiendste Unrecht wurde insbesondere die Zurücksetzung der provisorischen jüdischen Unterlehrer in Wien empfunden; ein Unrecht, welches auch die Regierung und — wie wir aus verschiedenen Anzeichen schliessen zu dürfen glauben — sogar der Wiener Stadtrat eingesehen hat. Der Ritualmord w ahn hat auch im abgelaufenen Jahre üppige Blüten getrieben, wenn auch die Spekulation der professionellen Blutlügner auf die Dummheit der Menge in jüngster Zeit nicht mehr besonders lohnend erscheint. Sie waren eifrig beflissen, jedes rätselhafte Verschwinden eines Knaben oder Mädchens und jede Auffindung einer Leiche auf jüdisch-rituelle Zwecke zurückzuführen, aber in den meisten Fällen folgte die Aufklärung, resp. die Entdeckung des christlichen Mörders rasch nach. In Floridsdorf schwänzte kurz vor dem vorjährigen Osterfeste ein zwölfjähriger Knabe die Schule und log dann seinen Eltern vor, dass ihn ein Jude in einen Sack gesteckt und nach Wolkersdorf getragen habe. Von der Polizei tüchtig ins Gebet genommen, gestand der Junge, die Geschichte erfunden zu haben. In Pilsen behauptete ein bei Juden bedienstetes Mädchen am ersten Tage des Pessachtestes, dass man ihr in der Nacht Blut abgezapft habe. Sie gestand noch am selben Tage, dass sie zu diesem Märchen von ihren Freunden angestiftet worden sei. In P o c h w a 1 o w bei Laun wurde die Industrielehrerin Ludmilla Wolf mit durchschnittenem Halse ermordet aufgefunden. Sofort sprachen antisemitische Blätter von einem Ritualmorde. Drei Tage später wurde der übel beleumundete christliche Landstreicher S c h r a m e k als Täter eingebracht. Das Brünner Hetzblatt rBrnenske drak" berichtete aus H o f i t z, dass sich dort alljährlich zur Osterzeit in einem jüdischen Gasthause eine Anzahl fremder Rabbiner versammeln und Gefässe mit sich tragen, die weder für Wein, noch für Wasser bestimmt seien; ferner, dass in unmittelbarer Nähe der Synagoge

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