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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-04-01 · 4 (4.1905) · p. Seite 37

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
4 (4.1905)
Date
1905-04-01
Page
Seite 37 (sequence 37)
Language
German
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37 Primaner mit dem bezeichneten Namen sei gar nicht oben. Nun ging der Sturm los, der „Ritualmord" war fix und fertig. Die Barbierfrau beschwor hoch und heilig, gesehen zu haben, wie der Primaner hinaufging, die Judenfrau habe also mit Ihrer Versicherung, dass er überhaupt nicht oben sei, gelogen. „Die Juden morden unsere Jungen ", „Haut sie!" „Hepp hepp!" und ähnliche antisemitische Schlag- und Schimpfworte ertönten, und wäre nicht der Primaner inzwischen in Person erschienen, hätte sich, wie im Jahre 1900, Böses ereignet, Die Zeche hatte der Primaner zu zahlen; er wurde am nächsten Tage wegen verbotenen Kartenspiels aus dem Gymnasium gewiesen. MQhlhelm (Ruhr), (Aufhebung des Schächtverbots.) Die „Mühlheimer Zeitung" veröffentlicht folgende Bekanntmachung: „Das Schächten von Schlachtvieh im städtischen Schlachthof hierselbst wird in Zukunft während der Betriebszeit unbeschränkt wieder zugelassen." London. (Das Land der Zionisten.) Man schreibt uns aus London: Major Gibbons, der mit Prof. Kaiser und Dr. Wilbusch das den Zionisten von der englischen Regierung angebotene Land bereist hat, teilte dem Bureau Reuter einiges über seine Erfahrungen mit. Die Expedition ging von Mombassa aus, von wo die Ugandabahn zunächst bis Nairobo benutzt wurde. Dort rüsteten sich die Reisenden zur weiteren Expedition aus und fuhren sodann bis Nakuru. Dies ist die Station, die dem Laude der Zionisten am nächsten liegt. Von doit bringt ein viertägiger Marsch den Reisenden in das zur Ansiedelung reservierte Gebiet. Der Marsch der Expedition ging erst durch einen dichten Gürtel Urwald, der sich schnell auf Berge von 7—8000 Fuss Höhe erhob. Sechs Tagereisen von Nakuru entfernt schlugen die Reisenden ein Lager auf, um von diesem aus das ganze Gebiet Zion zu bereisen. Die Aufgabe der Expedition war die, festzustellen, ob das Gebiet für eine weisse Ackerbaukolonie geeignet ist, und ausserdem die natürlichen Grenzen des Landes zu suchen. Das Gebiet hat eine Ausdehnung von 5000 Quadratmeilen. Es ist 95 englische Meilen lang und 55 englische Meilen breit. *5 Meilen laufen parallel der Uganda-Eisenbahn, von der das Gebiet 20—40 Meilen entfernt ist. Das Land ist ein Höhenplateau ohne eine fest angesessene Bevölkerung. Vor etwa 25 Jahren wurde es von einem Stamm der Massai besetzt. Die einzige weisse Bevölkerung besteht augenblicklich aus drei Afrikandern. Nach Gibbons Ansicht gibt es in ganz Afrika kein gesünderes Land. Das Plateau sei geradezu ideal für eine Ansiedelung Weisser. Moskitos gibt es nicht und fettes Weideland ist in Ueberfluss vorhanden. Dass jedoch auch Gründe gegen die Niederlassung vorhanden sind, geht aus der Bemerkung Gibbons hervor, dass er mit den Argumenten für und gegen die Niederlassung augenblicklich noch zurückhalten müsse. Im Süden hat das Land in den Nandis uuangenehme Grenznachbarn, die gelegentlich Raubzüge in das reservierte Gebiet unternehmen. Zweimal griffen sie die Farmen der vorerwähnten Afrikander an, und einmal machten sie aus dem Urwald heraus einen Angriff auf Gibbons Karawane. Es gelang ihnen, einen Teil des Gepäcks zu rauben. Die Nandis unternahmen ihre Angriffe stets aus dem Urwald heraus Gibbous hält es für durchaus notwendig, dass ihrem Räuberhandwerk ein Ende gemacht wird, damit die Eingeborenen anderer Stämme nicht auch zum Räuberhandwerk verlockt werden. Er ist der Ansicht, dass die Ansiedler, nur dann sicher sein können wenn diese Nandis durch eine Expedition zur Vernunft gebracht worden sind. — Dr. Wilbusch hat sich nach Palästina begeben, während Prof. Kaiser in die Schweiz zurückkehrt. St. Petersburg. (Zur Lage der Juden.) Die Generalversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Aufklärung der Juden in Russland, seit mehr als 40 Jahren tätig, hat in einer Sitzung am 12. März d. J. eine Resolution gefasst, in der erklärt wird, dass die Sache der Aufklärung der Juden in Russland unter den äusserst schweren und unnormalen Verhältnissen leidet, die die Folge der allgemeinen rechtlosen Lage des jüdischen Volkes sind!

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