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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-04-01 · 4 (4.1905) · p. Seite 33

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
4 (4.1905)
Date
1905-04-01
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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33 Präsident Herr kaiserl. Rat xUnninger hat in dieser Angelegenheit sofort persönlich im Ministerium des Innern interveniert und die genannte Behörde hat die Statthalterei in Lemberg zur Berichterstattung aufgefordert. Korrespondenzen. Stanislail. (Wie Judenexzesse gemacht werden,) Der Geistliche Miskiewicz erzählte in seiner Predigt vom 25. v. Mts , dass sich am „Purim" ein Jude als Geistlicher maskierte und ein christliches Religionsabzeichen in den Händen trug. Diese Predigt hatte ihren Epilog in der letzten Gemeinderatssitzung, wo G.-R. E i s 1 e r diesbezüglich au den Bürgermeister eine Anfrage richtete. Auf Grund der vorgenommenen Untersuchung erklärte der Bürgermeister folgendes: Der Kommissär Janicki und der Polizeiinspektor Wojtasiewicz, die mit der Untersuchung betraut wurden, begaben sich auf Grund der Anweisung des Geistlichen zum Schulkatecheten Nogi, welcher sich aut einen Schüler der sechsten Klasse, Czaplinski, berief, der angeblich am Mittwoch einen der Geistlichen und einen als Kirchendiener maskierten Juden auf einem Wagen herumfahren sah. Als Zenge führte der Gymnasiast den Steuerbeamten Sozow an, dieser erklärte, dass er tatsächlich einen Geistlichen mit dem Küster und einer Frau am Nachmittage sah, die aber zu einem Kranken in der Peleszagasse fuhren. Die Richtigkeit wurde auch auf Grund der Parochalbücher festgestellt. Daraufhin nahm der Gemeinderat den Antrag des G.-R. Boral an, dass diese Hetzaffäre dem Bezirksgerichte überwiesen werde, zwecks Verfolgung der Personen, die beunruhigende Nachrichten verbreiten. Prag. Als Gast des Zentralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag hielt im Prunksaale des „Hotel Central" am 25. d M. Herr Dr. S. Frankfurter, Kustos an der k. k. Universitäts- Bibliothek in Wien, einen Vortrag über „altjüdisches Erziehungswesen im Lichte moderner Bestrebungen". Der zumal in pädagogischen unu archäologischen Kreisen rühmlichst bekannte Gelehrte, dessen Feder auch das von Fachgenossen wiederholt gewürdigte Werk über „Thun, Bonitz und Exner" entstammt, entwarf in seiner Einleitung die Grundzüge der Pädagogik und bot sodann einen fesselnden historischen Rückblick über den Bildungsgang bei den alten Juden, der sich auf der mächtigen Grundlage von Bibel und Talmud aufbaute. — Mit fünf Jahren schon begann das Lesen der Schrift, mit 10 Jahren folgte die Lehre der Bibel und der Fünfzehnjährige oblag bereits dem eifrigen Talmudstudium. An der Hand dieser Quellen wurden auch die ersten Begriffe aus der Naturgeschichte beigebracht und weiteres Wissen, insbesondere auch die Grundzüge der Ethik vermittelt, wobei jedoch die Beachtung der jeweiligen individuellen Veranlagung als Gebot galt und die Liebe zur Arbeit, insbesondere zur handwerksmässigen gefördert wurde. An der Hand von interessanten Beispielen wies sodann der Redner das Vorbildliche der altjüdischen Lehr- und Erziehungsweise für die noch heute geltenden, zumal erst in jüngster Zeit sich bahnbrechenden Methoden, insbesondere der analytischen Unterrichtsmethode nach, berührte die Stellung der Frau im Bildungswesen und schloss unter Hinweis auf die durch die Erziehungsart erworbene Widerstandskraft des jüdischen Volksstammes mit einem Ausspruche Goethes, dessen Ansichten auf dem Gebiete der Pädagogik bereits in talmudi-

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