Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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32 entwichenen und vermutlich gesetzwidrig zurückgehaltenen Jente Weitmann den notwendigen obrigkeitlichen Beistand leisten. Einem hohen k. k. Ministerium ehrerbietigst ergebene „Oesterreichisch-Israelitische Union" Der Präsident: Sigmund Maye r." Wien, 22. April 1905. Judenhetze in Wels. Gegen die Judeneinwanderung in Wels fand kürzlich daselbst eine Versammlung im Theresiensaale statt. Es wurde die Forderung aufgestellt, kein Welser Hausbesitzer dürfe an Juden ein Gewölbe vermieten. Ferner wurde die Erwartung ausgesprochen, dass kein Welser bei einem Juden einkaufe, und die Hausbesitzer eingeladen, einen Verein zu bilden, dessen Mitglieder grundsätzlich einem Juden kein Lokal zur Verfügung stellen. Endlich wurde die Abschaffung des Hausierwesens verlangt. — Die Welser Antisemiten sind doch ein wenig gar zu naiv. Wir haben Schritte getan, um den Herren das Handwerk der Verhetzung zu legen. Hissglückter ,,RituaIiBord". Aus Geiselhöring in Oberbayern wird unterin 3. April berichtet: Vor ungefähr zehn Tagen weilte hier ein unbekannter Mann, der die neunjährige Tochter des Korbmachers Franz Haberl hier auf seinen Wagen nahm und mit ihr in der Richtung gegen Straubing fortfuhr. Seit dieser Zeit ist das Mädchen spurlos verschwunden. Das Kind heisst Karoline, ist für sein Alter sehr entwickelt, hat dunkle lange Haare und trug bei seinem Verschwinden unter anderem eine rote Haube. — Das „Deutsche Volksblatt"' wollte aus dieser Entführung den für die diesjährigen Ostern schmerzlich entbehrten Eitualmord konstruieren und entsendete seinen Spezialisten für Blutmärchen schleunigst nach Geiselhöring. Der arme Mann musste aber unverrichteter Dinge zurückkehren. Grundlose Verhaftung russischer Emigranten. Am 2. d. M. erhielten wir aus Przemysl die telegraphische Nachricht, dass daselbst vier russische Emigranten von der städtischen Polizei grundlos verhaftet wurden und dass die Polizeibehörden trotz mehrfacher Urgenzen sich weigern, dieselben aus der Haft zu entlassen. Unser Vize-