Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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27 täuschte Menge will über Mutter und Kind herfallen, doch der Student erreicht es mit Hilfe der Obrigkeit, dass man beide in Sicherheit bringt. Sie werden getauft und der Student heiratet die Tochter. Aus dem Mönch des Boccaccio macht der Dichter einen Studenten. Verschieden von den anderen Bearbeitungen ist hier der Umstand, dass das Mädchen ganz gut weiss, dass sie nicht die Geliebte eines Engels, sondern eines christlichen Studenten ist. Sie ist sich ihrer Sünde wohl bewusst, doch keineswegs reuevoll, sondern empfindet im Gegenteil das grösste Leidwesen darüber, dass sie während der ganzen Zeit ihrer Schwangerschaft, da sie unter der Aufsicht der Juden steht, ihren Studenten entbehren muss. Sie nimmt auch zum Schlüsse gern die Taute. So feiert auch in dieser Dichtung das Christentum „Triumphe"! . Ein wütender Judenhasser ist auch der berühmte katholische Theologe Abraham a. S. Clara gewesen. Er arbeitet vornehmlich mit den Märchen von der Hostienschändung und des Ritualmordes. „Ob nun schon", sagt er, „die verstockten Hebräer und Mauschl Christum in alle weg und allezeit fluchen und schmähen, wie auch uns Christen geschworene und abgesagte Feind sind, können sie gleichwohlen der Christen nicht entraten, nicht allein wegen der Handelschaften und ihrer Schachereien, sondern forderist (vornehmlich) wegen des Christenblut, welches sie notwendig haben und gebrauchen müssen, welches aus folgenden zu vernehmen." Und nun zählt er nach seinem Gewährsmann Antonius Bonfinius „dem bewehrten (bewährten) und glaubwürdigen Geschicht- Schreiber" eine Reihe von Zeremonien der Juden auf, zu denen sie Christenblut benötigen. Als erste Zeremonie nennt er die Beschneidung, zu der die Juden, um das Blut zu stillen, Christenblut brauchen. Dann dient das Blut dazu, um Friede und Einigkeit unter ihnen zu erhalten. Der Genuss desselben schützt vor gewissen Krankheiten; m acht sie bei Gott beliebt; der Besitz dieses Blutes verhindert, dass sie „hässlich, garstig und abschäulich stinken", den sterbenden Juden halten sie das Blut eines getauften und von ihnen erwürgten Kindes vor, um ihnen so das ewige Leben zuteil werden zu lassen. So schliesst der Autor mit der durch seine Beweise bestätigten Behauptung, dass die Juden zwar Adonaj (Herr) rufen, aber keinen Nutzen davon haben können. Wie man sieht, haben die christlichen Schriftsteller des Mittelalters eine schwere Verantwortung auf sich geladen, indem sie die rohen Instinkte der grossen Masse zu leidenschaftlichem Hasse gegen die Juden weckten. Gross und unsäglich schwer ist die Schuld, die das deutsche Christentum des Mittelalters an den armen verfolgten und gemarterten Juden verübt hat. Wer die ganz objektiv geschriebene Frankl'sche Schrift aufmerksam durchliest, der wird aus vollem Herzen dem angeblich