Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Noch in einer anderen Erzählung wird der Messiasglaube der Juden zum Anlass genommen, sie äusserst roh zu verspotten. Den Umstand, dass die Juden an nichts so fest glaubten, wie an die Erscheinung des Messias, nützte Till Eulenspiegel aus, um ihnen einen Possen zu spielen. Drei Juden zu Prankfurt kaufen von ihm auf der Messe seinen eigenen Kot, den er in ein rotes Zeug eingewickelt hat, um 100 Gulden nur deshalb, weil sie seiner Erklärung Glauben schenken, dass derjenige, welcher diese „Prophetenbeere" in den Mund nehme, von Stund an weissagen könne. Die Juden, die auf diese Weise die Ankunft des Messias zu erfahren glauben, „das uns nit wer ein kleiner trost" (was uns nicht war ein kleiner Trost), zahlen verblendet den hohen Preis. Sie lassen alle Juden der Stadt zu „schul klopfen" (in den Tempel rufen), um in deren Gegenwart das Geheimnis der Beere zu erproben. Doch wie ein Jude die Beere in den Mund nimmt, um die Zukunft des Messias verkünden zu können, erkennt er den Betrug, und sie alle haben zur Enttäuschung, zum Schaden noch den Spott. In ebenso unästhetischer Weise verspottet Folz in seinem Fastnachtsspiel „Von der Juden Messias" die Hoffnungen der Juden auf den noch zu erwartenden Messias: In Schlesien wohnt ein reicher Jude, der eine sehr schöne Tochter hat. Zwei Fenster ihres Zimmers gehen nach dem Hole mit der Aussicht auf die Behausung eines christlichen Studenten. Dieser gesteht der schönen Jüdin seine Liebe, findet Gehör und wird des Nachts in ihr Zimmer eingelassen. Da die Folgen der Liebschaft nicht ausbleiben, greift der Student zu einer List. Er steigt nachts in das Zimmer der Eltern und verkündet den Schlafenden mittels eines Rohres den Beschluss Gottes, dass ihre Tochter den Messias gebären werde. Man möge nicht fragen, wer der Vater des Kindes sei, sondern ihm Glauben schenken. Jetzt sei die Zeit da, wo das jüdische Geschlecht, „das lang gewesen ist verschmecht (verschmäht)", über die Christen und Heiden herrschen werde. Der Vater Abraham teilt auf diese Prophezeiung hin sofort in der Frühe den vier Aeltesten Gottes Offenbarung mit. Diese verkünden sie in der Synagoge dem gesamten Volke mit Preis- und Dankesliedern; die Bückkehr der Juden in ihr Land könne nicht mehr fern sein. Die Tochter des Abraham wird mit königlichen Ehren überhäuft, man richtet für sie ein neues Gemach ein, das wundervoll ausgestattet wird grün in grün, mit goldenen Sternen, das Bett und die Stühle aus Zypressen. Man pflegt sie wie eine Fürstin, an die Juden der ganzen Welt wird die Wundermär geschrieben und Geschenke aus aller Welt überfluten die Stadt. Als sie endlich mit grösseren Wehen als andere Frauen gebärt, ist das Kind ein — Mädchen. Da erhebt sich grosser Jammer bei allen Juden, Vater und Mutter verbergen sich viele Tage ohne zu essen und zu trinken. Die erzürnte, ent-