Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Der Jude*) in den deutschen Dichtungen des 15.. 16. und 17. Jahrhunderts. Von Oskar Frank 1. Das vorliegende Werk, das von der philosophischen Fakultät der Wiener Universität als Doktordissertation approbiert worden ist, ist unstreitig ein wertvoller Beitrag zur Lösung der Judenfrage. Der Verfasser, der selber Jude ist, stellt in fesselnder und geistreicher Weise das zusammen, was die deutschen Dichter des Mittelalters über den Juden geschrieben haben. Das Frankl'sche Werk zerfällt in vier grössere Abschnitte: I. Diskussion über das Judentum, Judenfrage. IL Verspottung und Schmähung der Juden und des Judentums. III. Der Jude als Wucherer. IV. Der Jude als Hostienschänder und Kindermörder. Judenvertreibung. Die Lektüre dieses Buches ist für die Menschenfreunde nicht gerade sehr erhebend, denn der Ton, den die deutschen Dichter des Mittelalters gegen die Juden anschlagen, ist auf die Verhetzung und Erbitterung der Christen gegen die Juden abgestimmt. So wird beispielsweise die Hoffnung der Juden auf einen noch kommenden Messias in einem „Fastnachtsspiel" folgendermassen verspottet: Der Judenmessias ist erschienen, die Juden jubeln ihm als dem Retter in ihrer bedrängten Lage zu. Er soll ihnen Hilfe bringen, wird aber als falscher Messias von der Sibylla entlarvt. Die Juden, welche fest an ihn geglaubt hatten, werden gezwungen, von den Zitzen eines Schweines zu trinken, dann werden ihnen Blasen angebunden, und Hunde hetzen sie durch die Strassen. Dabei quält sie der Narr mit groben Spässen. Mit welcher ausgesuchten Roheit die Gestalt des „Judenmessias" in diesem Fastnachtsspiel behandelt wird, davon zeugen die folgenden Verse, die wir als besonders charakteristisch für den mittelalterlichen Ton hierher setzen wollen: „Ich sprich, dass man vor allem ding Die allergrösste schweinsmutter pring Darunter sie sich schmiegen all Saug jeder ein tutten mit sehall; Der Messias Ii? unterm schwantz! Was ihr enpfall. das soll er gantz Zusammen in ein secklein piuden Und dann desselb zu einem mal veischlinden." *) Verlag von Robert Horrmann — Leipzig und R Papauscheck - Mähr.-Ostrau, 144 S., Grossoktav, Preis brosch. 2 Mark, elegant geb. 3 Mark.