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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-04-01 · 4 (4.1905) · p. Seite 23

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
4 (4.1905)
Date
1905-04-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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23 schaftlichen Errungenschaften recht zu erklären. Erst seitdem man das einheitliche Nervensystem überhaupt und die Verbindung des grossen Herznervengeflechtes mit dem Zentralorgane des Bewusstseins, dem Gehirne, besonders kennt und von dem Kreislaufe des Blutes weiss und in sein System Einsicht genommen, begreift man ganz und voll, was das Herz für das Lebewesen bedeutet. Was unsere Angelegenheit anbelangt, kommt in erster Reihe das von dem Anatomen William Harvey entdeckte grosse Wunder Gottes, der Blutkreislauf, in Betracht Das Blut, welches das Element der Ernährung, der Umbildung, der Aufsaugung und der Ausscheidung bildet, ist in fortwährender Bewegung begriffen, und zwar in einem vollkommen abgeschlossenen Gefässsystem, dessen Mittelpunkt das Herz bildet. Dieses Organ, welches einen sehr starken, mit einem Klappenwerk versehenen Hohlmuskel darstellt, ist durch eine Scheidewand in eine rechte und in eine linke Hälfte geteilt. Nach Art einer Druckpumpe wirkend, treibt das Herz das Blut aus seiner linken Kammer in die zuführenden Gefässe, die Arterien, von wo es, ein über den ganzen Körper verzweigtes und verschlungenes Haargefässsystem durchdringend, auf den verschiedensten Umwegen wieder die zurückführenden Gefässe, die Venen, erreicht und von diesen in die rechte Herzkammer zurückfliesst, um von dort aus einen Kreislauf durch die Lunge zu machen und dann, durch Sauerstoff aufgefrischt, wieder an den Ausgangspunkt, in die linke Herzkammer zu gelangen, und so geht der Prozess bei Menschen und Tieren in einemfort, bis das Herz stille steht. Das muss man sich gegenwärtig halten, um zu ermessen, was für Verheerungen man im Körper eines Tieres plötzlich anrichtet, wenn man durch einen quer durch die Weichteile des Halses geführten tiefen Schnitt die grossen Schlagadern und die kleinen Blutgefässe samt der Luft- und der Speiseröhre gänzlich durchtrennt, so dass das Blut aus der klaffenden Wunde stromweise hervorstürzt. Da ist das Herz und das Gehirn, das ganze Nervensystem, die Lunge und jedes Organ auf einmal und somit das Leben selbst getroffen. Was ist natürlicher, als dass ein solcher Angriff aufs Leben sehr schnell eine anhaltende Bewusstlosigkeit und infolge dessen ein schmerzloses Verenden des Tieres herbeiführt? Die dem Sterben des Tieres vorangehenden Konvulsionen dürfen so wenig beeirren, wie die den Verheerungen entsprechende schreckliche Wunde; es sind das Zuckungen, wie sie bei fallsüchtigen Menschen vorkommen, von denen man weiss, dass sie während der Anfälle nicht bei Bewusstsein sind und auch erhaltene Verletzungen damals nicht empfinden.

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