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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-04-01 · 4 (4.1905) · p. Seite 20

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
4 (4.1905)
Date
1905-04-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 Man hat eben schon in den ältesten Zeiten im Hebräerstamme gewusst. dass Mitleid und Erbarmen nur von denjenigen zu erwarten sind, die unter einem milden Mutterherzen getragen werden, deswegen hat der Knecht des Patriarchen Abraham, als er mit der Aufgabe betraut gewesen, für den Sohn seines Herrn eine Braut zu suchen, in sein am Brunnen verrichtetes Gebet die Worte eingeflochten. Und es sei das Mädchen, zu dem ich sagen werde: Neige doch deinen Krug, dass ich trinke! und es wird sagen: Trinke und auch deine Kameele will ich tränken. Diese Person hast du bestimmt deinem Diener, dem Jizchak. Das an den Tag gelegte Mitleid und Erbarmen mit Menschen und Tieren von Seiten Rebekkas war das Entscheidende bei der Eheschliessung des zweiten Patriarchen. Die Eigenschaften wollte Moses den Töchtern seines Volkes anerzogen und erhalten wissen, daher kam es, dass religionstreue Israelitinnen, gleichviel, ob es für den Altar oder für die Küche hätte geschehen sollen, sich überall des Schlachtens enthalten haben. Dem Erbarmen und Wohlwollen für die Tiere hat die mosaische Gesetzgebung ohne Rücksicht auf Gewohnheiten und ökonomische Interessen Rechnung getragen. Es wurde verboten, Tiere zu verschneiden oder sonst irgend zu verstümmeln, untersagt, Ochs-und Esel gemeinsam an den Pflug zu spannen, verboten, dem Ochsen beim Dreschen das Maul zu verbinden und geboten die Kälber, Lämmer und Zicklein mindest sieben Tage bei den Müttern zu lassen. Da ist es ganz undenkbar, dass es gleichgiltig hingenommen würde, ob ein Tier auf eine rasche und milde oder auf eine qualvolle Art ums Leben gebracht werden soll. Wer kann da behaupten, dass das Schächten auch nur irgend geduldet worden wäre, wenn man es als tierquälend befunden hätte?! Ueberdies war man keineswegs darauf angewiesen; es hat ja schon damals an den verschiedensten Methoden, den Tieren ans Leben zu gehen, nicht gefehlt und an dazu verwendbaren Werkzeugen, wie Keulen, Hacken und schweren Hammern, Riesenschwertern und Instrumenten aller Art nicht gemangelt. Wer wäre verpflichteter und berufener gewesen, ein Schächtverbot zu erlassen, als Moses?! Warum ist anstatt eines Verbotes ein Schächtgebot durch den Gottesmann gegeben worden? Gewiss nur in Anbetracht, dass den Tieren mit dem Schächten weniger Leid zugefügt wird, als mit dem Töten oder sogenannten Betäuben durch Kopfschlag und als mit jeder anderen Tötungsart überhaupt. Uns und alle einsichtsvollen Christen, die an die Offenbarungen des Alten Testamentes glauben, zwingt das zur Annahme, dass göttliche Erleuchtung bezüglich entschieden hat und dass damit das Richtige getroffen werden musste. Wir wollen indess die Sache nicht unter den Gesichtspunkten des religiösen Glaubens, sondern nur vom Standpunkte der einfachen menschlichen Einsicht behandelt sehen.

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