Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 An und für sich war das Verfahren nicht neu, es ist neben andern Arten der Opferschlachtung sowohl in Kulte der Monotheisten als der Polytheisten der Urzeit nachweisbar, neu war nur die Bestimmung, dass es das einzig zulässige sei. Darum hat es diesbezüglich keiner Beschreibung bedurft und war ein an den damals sehr engen Kreis der Priester gerichteter mündlicher Befehl für die einfache Anordnung genügend. Wenn die erwähnte, zu Zeiten Moses geltende Bestimmung, nach der jedes zu schlachtende Stück Kleinvieh oder Rindvieh von überall her erst zur Kultusstätte gebracht und geopfert werden musste, unverändert aufrecht geblieben wäre, würde nach der Ausbreitung des Volkes über weitere Gebiete den meisten Israeliten der Genuss des Fleisches grösserer Tiere, mit Ausnahme jenes von erlaubtem Wild (Hirsche. Rehe und dergleichen), dadurch unmöglich gemacht worden sein. Aus dem Grunde ist das Gebot vor dem Einzüge nach Kanaan abgeändert worden. Warum die Bestimmung ursprünglich im weitesten Umfange getroffen wurde, haben wir bereits erwähnt. Es ist nur noch zu bemerken, dass sie zugleich den Zweck gehabt, das Volk vom Blutgenusse abzuhalten, von dem man, obgleich er verboten war, Viele nicht abbringen konnte, weil sie sich durch heidnische Wahnvorstellungen dazu hingezogen gefühlt. Das Verbot der Privatschlachtungen ist im 17. Kapitel des dritten Buches Moses ausführlich dargelegt und begründet und von dessen partieller Aufhebung handeln fünf Verse des 12. Kapitels des fünften Buches, die zugleich besagen, dass die Privatschlachtungen so vorzunehmen sind, wie es die Opfertiere betreffend anbefohlen worden, das heisst, dass auch die geschächtet werden müssten, obwohl sie in keiner Hinsicht als Opfer betrachtet werden dürfen. Die Verse von 20 bis 24, welche eine Kette bilden, lauten wie folgt : „Wenn der Ewige dein Gott erweitern wird dein Gebiet, so wie er dir verheissen und du sprichst: Ich möchte Fleisch essen, weil deine Seele gelüstet, Fleisch zu essen; so magst du nach aller Lust deiner Seele Fleisch essen, wenn dir fern sein wird der Ort, den der Ewige dein Gott erwählen wird, seinen Namen dahin zu setzen, so magst du schlachten von deinem Rindvieh und von deinem Kleinvieh, das der Ewige dir gegeben, so wie ich dir geboten habe und es essen in deinen Toren nach aller Lust deiner Seele. Jedoch so wie gegessen wird der Hirsch und das Reh, so sollst du es essen, der Unreine und der Reine zusammen mögen es essen. Sei nur stark, das Blut nicht zu essen, denn das Blut ist das Leben und du sollst nicht essen das Leben mit dem Fleische. Du sollst est nicht essen, auf die Erde vergiesse es wie Wasser."