Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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17 den Tieren zugewendeten Gefühle des Mitleides und des Erbarmens zum Zwecke einer Menschenhetze irrezuleiten, rückhaltslos beurteilt werden. III. Um das aus Egypten geführte Israelitenvolk, das noch in manchen Schichten dem Polytheismus gehuldigt, zum Monotheismus zu erziehen, hat eine umfassende Reform des seit jeher üblichen und vermöge der Vielgötterei mannigfach gestalteten Opferkultes vorgenommen werden müssen. Demgemäss wurde angeordnet, dass die Opferungen der Tiere nicht mehr wie bisher an verschiedenen selbstgewählten Orten, sondern nur an einer einzigen, unter der Obhut der Ahroniden stehenden Kultusstätte vorgenommen werden dürfen. Bei dem war noch zu befürchten, dass den noch von vielen im Geheimen verehrten Göttern unter dem Scheine von Privatschlachtungen Opfer gebracht werden könnten, darum wurde die Schlachtung der zur Opferung geeigneten Haustiere ausser dem Bereiche des Heiligtumes strenge verboten und anbefohlen, jedes für den Fleisch - genuss bestimmte fehlerfreie Tier zu opfern. Da das Fleisch der Opfertiere dieser Art nur längstens noch einen Tag nach der Schlachtung gebraucht werden durfte, vor jeder Verunreinigung bewahrt werden musste und Personen, die auch nur durch eine Berührung unreiner Dinge unrein waren, überhaupt nichts davon essen durften, war der Fleischgenuss auch den in der Nähe des Heiligtums wohnenden Israeliten erschwert und wäre unter andern Umständen dem überwiegenden Teile des Volkes ganz verleidet gewesen. Wie die Zentralisierung des Opferwesens, war auch die Anordnung einer bestimmten gleichmässigen Schlachtweise beim monotheistischen Kultus unerlässiich. Die Tötung der Opfertiere hat bei den Polytheisten, je nach der Gottheit, der sie dargebracht werden sollten, in verschiedener Weise stattgefunden. Wir wissen zum Beispiel, dass die Griechen die für ihre obern Götter bestimmten Opfer von oben herunter und die für ihre untern Götter bestimmten von unten hinauf geschlachtet haben. Aehnliche Verschiedenheiten der Tötung der Opfertiere, die in jedem derartigen Kult einen Hauptakt gebildet, hat Moses zweifellos in und um Israel mehrfach wahrgenommen. Da war es ganz in der Natur der Sache gelegen, dass für die dem einzigen Gotte darzubringenden Opfer eine einzige Tötungsweise festgesetzt werde. Welche Art Schlachtweise für den Opferkultus des einzigen Heiligtumes bestimmt worden, braucht man nicht zu fragen, sicher keine andere als die, welche, wie die untrügliche Uebeiiieferung zeigt, im zweiten Tempel und wie aus Schriftstellen ersichtlich im Salomonischen Tempel angewendet worden und wie die Samaritaner zeigen, noch jetzt beim Opfern angewendet wird, das Schächten.