Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Vorstellungvon dem Grade der Pein, die man einem einzigen Mutterschweine bereitet, indem man ihm die Haut aufschlitzt, in seinen Körper greift, darin mit Händen wühlt und die tiefliegenden Organe des Geschlechtes zerstört, um es unfruchtbar zu machen. Ausser den Folterqualen, denen die Opfer des Hexenwahnes und des blindwütig-religiösen Fanatismus in früheren Zeiten anheimgefallen, ist kein Leid dieser widernatürlichen, rasenden Marter vergleichbar. Und zu welchem Zwecke geschieht das? Damit das Feistfüttern des Tieres keine Störungen erfahre und ergebnisreicher werde. Wir haben die Schweinezucht noch nie beeinträchtigt, aber dass eine solche Pein und Quälerei als dazugehörig ausgegeben wird, das dulden wir nicht länger! Eine solche gelegentliche Aeusserung wäre vielleicht nicht politisch klug, dafür aber echt priesterlich gewesen. Sie ist indes unterblieben und es steht uns nicht zu, zu sagen, warum. Was uns aber sehr angeht, ist der Umstand, dass die Aeusserung, nach der die Juden mit dem Schächten eine Marter und Tierquälerei als religiöse Vorschriften ausgeben, aus dem Mund eines Doktors der katholischen Theologie gekommen. Herr Pater Scheicher kennt die altisraelitische Bibel; sie ist ein Bestandteil des heiligen Schrifttums seiner Religion, bezüglich dessen er gehalten ist, den Inspirationsbegriff zu hegen. Er weiss auch, dass das Schächtverfahren ein unerlässliches Ritual des alttestamentarischen Opferkultus gewesen, hat von den Schriftstellen und Ueberlieferungen, die das ausser Zweifel setzen, Kenntnis und kann, wie immer er über den Ursprung und Zweck des Opferkultus denken mag, nicht leugnen, dass seine Bestimmungen in der mosaischen Offenbarung wurzeln. Nun behaupten die Juden seit Jahrtausenden, dass dasselbe seit uralten Zeiten auch bei Privatschlachtungen übliche Verfahren ebenfalls biblische Satzung ist und fassen mehrere Bibelstellen in diesem Sinne auf, und es herrscht diesbezüglich zwischen allen jüdischen Sekten und den Samaritanern volle Uebereinstimmung. Es ist ferner nachweisbar, dass sich auch die Christen noch zur Zeit des Kaiser Julian an diesen Ritus gehalten, und die Angehörigen der koptischen Kirche halten noch heute daran fest. Wie kann der gläubige Priester und Gelehrte behaupten, dass die Juden mit dem Schächten eine Marter und Tierquälerei für religiöse Vorschriften ausgeben? Er kann sich ja die Bibelstellen, welche von Privatschlachtung handeln, nach seiner eigenen Weise auslegen, jenen, welche von Opferschlachtungen reden, kann er als wahrer Katholik den Charakter religiöser Vorschritten niemals absprechen. Es ist eine überaus traurige Erscheinung, dass ein Priester der katholischen Religion in einer Zeit, wo eine leichtfertige Kritelei dem Judentume und Christentume gleichmässig an die