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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-04-01 · 4 (4.1905) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
4 (4.1905)
Date
1905-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 sich der Juden wegen beschimpfen und verdächtigen zu lassen, aber von den wenigen energischen Leuten, die keine Judenfeinde sind und oft ungescheut zu widersprechen pflegen, hätte man doch erwartet, dass sie irgend an den famosen Studien Kritik üben und die Anträge missbilligen könnten. Da geschahen Zeichen und Wunder. Teils durch die schillernden Phrasen von Humanität und den Schein der Sachlichkeit und teils durch den Widerwillen gegen altkonservative Einrichtungen oder gegen alle Religion überhaupt wider die rituelle Norm gestimmt, haben die Männer an diesem Streben ihrer Widersacher Gefallen gefunden und sich ihm angeschlossen. Da, wie Lecky sagt, der Erfolg jeder Meinung viel weniger von der Stärke ihrer Beweise oder von der Geschicklichkeit ihrer Verteidiger, als vielmehr von der Stimmung der Gesellschaft, sie anzunehmen, abhängt, erklärt uns hier die aus Rassenfeindschaft und Religionshass hervorgegangene Stimmung die ganze Verblendung. Vor zehn Jahren ist dieselbe Angelegenheit in der Bayrischen Volksvertretung vorgebracht und daraufhin vom Petitionsausschusse geprüft worden. Die Beurteilung war vorwiegend streng katholischen Männern zugewiesen und das Referat hatte der katholische Pfarrer Dr. Friedrich Frank über. Dort war das Ergebnis ganz entgegengesetzter Art. Der Petitionsausschuss hat die Ueberzeugung gewonnen, dass das Schächten eine Tierquälerei nicht ist und dass man es als eine Satzung der jüdischen Religion betrachten mus*. Den ersten Punkt betreffend, war den Beurteilern nicht der oberflächliche Schein, sondern die auf wissenschaftliche Gründe und auf praktische Erfahrungen gestützte Auffassung von 230 Fachmännern, unter welchen sich eine stattliche Reihe von weltbekannten Kapazitäten befindet, das Massgebende, und den zweiten Punkt haben die Herren aus der offenkundigen Tatsache ersehen, dass das rituelle Verfahren allen frommen Israeliten als heilige Einrichtung des Judentums gilt. Dort hat aber kein parteipolitisches Programm das Urteil getrübt, hier hat es durch den Geist der eine antisemitische Vereinigung bildenden Majorität des Landtages auch bei gutem Willen getrübt werden müssen. Ein Merkmal dieser, wenn auch unbewussten Einflussnahme bildet die Stelle des Berichtes, wo es heisst: „Das gewaltsame Niederwerfen des Tieres erfolge mit solcher Vehemenz, dass die Verursachung von Schmerzen nicht zu vermeiden sei." Gehört es etwa zum jüdischen Ritual, dass das Tier mit Heftigkeit niedergeworfen werde? oder ist diese auch nicht zu vermeiden? Gewiss wird sie vermieden, wenn der Metzger die pflichtgemässe Vorsicht gebraucht. Derselbe hat sogar ein Interesse daran, dass das Abwerfen nicht auf heftige Art geschehe, weil dem Tiere

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