Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Von einem Vinchow zu behaupten, dass er dies geäussert und aufrecht erhalten, ohne die anderen Sehlachtarten gekannt zu haben, heisst einfach Unmögliches behaupten. Lesen wir einmal das Gutachten des Herrn Professor Vogt. Es datiert vom Jahre 1891, demnach aus einer Zeit, wo die im Jahre 1886 erfundene Sigmundische Schussmaske bereits mehrere Jahre in Basel Anwendung gefunden hatte. Darin steht wörtlich : „Ich muss vorausschicken, dass ich schon viele Ochsen und Schafe nach jüdischem Gesetze töten gesehen habe. Diese Tötungsart war die einzig gebräuchliche in meiner Geburtsstadt, wo die Metzger, übrigens allesamt Christen, in ihren jedermann zugänglichen Höfen schlachteten, da kein Schlachthaus da war. Ich habe auch auf andere Weise töten gesehen, teils mit der Axt, teils mittels der Maske oder auch mittels Genicktanges. Ich habe bei den Lappen ein Renntier schlachten gesehen, welchem man mittels mehrmaligen Schlagens ein Messer ins Herz trieb. Ich spreche somit nur von Selbstgesehenem. Ich kann sagen, dass ich gefehlten Axtstreichen oder mittels Maske verfehlten Tötungen beigewohnt, niemals aber unter Hunderten von jüdischen Tötungen auch den kleinsten Unfall bemerkt habe. Durch einen einzigen Schnitt des Messers waren alle Weichteile des Halses so durchschnitten, dass das Blut stromweise entfloss und der Tod augenblicklich erfolgte. Wer das Gutachten des Herrn Professor Vogt gelesen hat und sagt, dass er die anderen Schlachtungsarten nicht gekannt und nur den Schnitt gesehen habe, nicht aber die vorhergegangene Grausamkeit, äussert geflissentlich eine grobe Unwahrheit. Daraus folgt, dass Herr Jukel dasselbe nicht gelesen, sondern nur das gesagt hat, was ihm von irgend einem Wahrheitsfeiude mitgeteilt worden ist. Das macht uns auch die Schauergeschichte von dem herumrutschenden Schlachttiere verdächtig. Das Tier kommt uns bekannt vor. Ist es vielleicht dasselbe, von dem im Jahre 1894 in der Bayrischen Kammer der Abgeordneten gesprochen wurde? Damals hat die geschächtete Kuh den morschen Strick zerrissen und ist mit blutendem Halse im Schlachthofe umhergelaufen. Der Strick war recht gewählt, doch das Umherlaufen zu dumm. Nach zehn Jahren kann jemand Herrn Jukel was Gescheiteres vorgemacht haben. Behaupten können wirs nicht, aber der Argwohn ist ein Schelm und trifft mitunter das Sichtige. Die verschiedenen augenfälligen Mängel haben dem Gegenstande nicht im mindesten geschadet. Der Bericht des Landesausschusses und die Rede des Herrn Abgeordneten Jukel und die vorgeschlagenen Resolutionen wurden beifällig aufgenommen. Der Triumph der antisemitischen Vereinigung war so vollkommen, dass sie selbst darob verblüfft sein musste. Die Herren haben wohl gewusst, dass keiner der ausserhalb ihrer Partei stehenden zahmen Leute die Neigung verspüren wird,