Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 quemen Plätze nicht gönnt, ist bei Beurteilung einer Sache des Judentums einer Objektivität ganz und gar unfähig. Am merkwürdigsten erscheint jedoch die Behauptung des Herrn v. Pirko, wenn man die politische Tendenz und die Kampfweise der Partei in Betracht zieht, durch welche die Aktion gegen das Schächten eingeleitet wurde. Die antisemitische Vereinigung der Christlich-Sozialen, in deren Mitte Herr Ernst Schneider den Judenhass dirigiert, hat bekanntlich den Beschluss zustande gebracht, dass die vom Landtage für Zöglinge der Exportakademie aus Steuergeldern geschaffenen Stipendien nur an Angehörige der arischen Rasse zu erteilen sind. Wenn Jemand die Taufscheine von fünfzig Generationen seiner Vorfahren vorlegen und dabei den Nachweis erbringen würde, dass er in direkter Linie von jenem Saulus abstamme, aus dem später der Apostel Paulus geworden, und überdies die beste Eignung für das Fach hätte, um ein solches Stipendium ansuchen würde, müsste er ohne Weiteres abgewiesen werden, weil es eben nur auf die Rasse ankommt, wie beim lieben Vieh. Das ist die Gesinnung der Leute, in deren Auftrag der Landesausschuss zu urteilen hatte. Konnte oder durfte die Prüfung der Schächtfrage anders ausfallen als im Sinne der Auftraggeber und nach dem Willen ihres ob seiner ungewählten Kraftworte gefürchteten Herrn und Meisters? Was hätte Herr von Pirko zu verkosten bekommen, wenn seine Studien etwas ergeben hätten, was der Tendenz der antisemitischen Vereinigung widerspricht? Nach alldem kann kein vernünftiger Mensch glauben, dass in der Angelegenheit vom Landesausschusse mit „vollster Objektivität" und über jede konfessionell-politische Tendenz hinweg geurteilt wurde. Das ist inmitten und unter dem Einflüsse einer Gesellschaft, deren Mitglieder einander fortwährend gegen die Juden aufhetzen, geradezu unmöglich. An und für sich ist das Behauptete nicht wahr, wahr ist nur, dass Herr v. Pirko und seine Genossen ernstlich glauben, dass sie den Gegenstand sachlich und unparteiisch behandelt haben. Es ist das, wie wenn Jemand in eigener Sache Richter ist — dann erscheint ihm das Urteil immer gerecht ob dem wirklich so ist oder nicht. So ist denn der Tag gekommen, an dem das Geschöpf des Abgeordneten Schneider, durch liberal human und wissenschaftlich schillernde Phrasen aufs Herrlichste herausgeputzt, zu einem wahren Paradestücke gestaltet, in das Plenum des Landtages zurückgebracht wurde. Dort hat ihm der Abgeordnete Jukel einen warmen Empfang bereitet. Der genannte Herr hielt eine Rede, in der er sagte, er habe solchen Schächtungen beigewohnt. Es sei dies ein Akt, dessen Grausamkeit man nicht schildern könne. Das Tier habe nach dem Halsschnitte die Fessel gesprengt, habe sich erhoben und sei mit