Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 3 (3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 forderliche Leder sei von obiger Firma zu diesem Preise gekauft worden, berief er sofort, nach 9 Uhr nachts, den Genossenschaftsvorstand sowie auch die beteiligten vier Schuhmacher zu sich und erklärte, dass sie Geld hinauswerfen, indem er (Friedrich) ihnen Kuhleder, bestens ausgesucht, zum Preise von K 43<) zu liefern geneigt sei. Abgesehen von alldem, wäre es — so meint er — gar nicht am Platze, das Geschäft einem Juden zukommen zu lassen. Er als Christ wäre hiezu eher berufen, diese Wareu zu liefern und es sei traurig, wenn die Scbuhmacher in dieser Weise ein jüdisches Geschäft unterstützen!! Die Folge davon war, dass auch Herr Beithold Bondy — nach bereits abgeschlossenem Kaufe — genötigt wurde, die zu K 450 verkauften Kuhleder ebenfalls mit K 430 zu berechnen. Mit solchen Mitteln wird heutzutage getrachtet, das Geschäft au sich zu reissen! Obendrein muss aber noch berücksichtigt werden, dass Herr Franz Friedrich die Kuhleder, welche er mit K 430 anbot, von einer Prager jüdischen Firma zu K 436 bezog. Bei dieser Gelegenheit und als Beweis der Tendei.z des Herrn Franz Friedrich senden wir anbei einen Zeitungsausschnitt, worin besagte Firma das bekannte Losungswort: »Svuj k svemu! Zavod kfestansky!« (Christliches Geschäft) als grösste Reklame über ihre Annonce drucken liess. Da ein derartiges Vorgehen wohl unter das Kapitel: „Unlauterer Wettbewerb fällt und gewiss geeignet erscheint, das Ansehen unserer Branche noch unter das Niveau des lockersten geschäftlichen Anstandes herabzuwürdigen, machen wir Ihnen, geehrter Herr Redakteur, die geziemende Mitteilung hievon". GzerilOWltZ. Die Landesregierung der Bukowina gab an alle Bezirkshauptmannschaften und den Magistrat der Stadt Czernowitz einen Erlass hinaus, worin es heisst, dass die in der Bukowina ansässig gewordenen russischen Deserteure sich auf 1024, die in Czernowitz selbst auf 704 Personen beziffern. Da viele dieser vorwiegend jüdischen Flüchtlinge für die Bevölkerung eine Last bilden, andere wiederum eine ungesunde Konkuirenz hervorrufen und nebenbei verschiedenartige ansteckende Krankheiten in das Land bringen, werden die Bezirkshauptmannschat'ten und der Magistrat in Czernowitz aufgefordert, die Deserteure zum freiwilligen Verlassen des Landes und der Monarchie binnen sechs Wochen zu bevvegen und gleichzeitig durch Vermittlung der jüdischen Gemeinden und der bestehenden Schutzkomitees darauf zu dringen, dass diesem Auftrage Folge geleistet werde, da die Landesregierung widrigenfalls bemüssigt sein würde, zum letzten Mittel, das ist zur zwangsweisen Auslieferung, zu schreiten. (Die Landesregierung dürfte mit dieser Absicht doch auf den Widerstand der Zentralbehörden stossen.) Budapest. (Judenauswanderung aus Rumänien.) Mit dem Predealer Eisenbahnzug treffen seit einiger Zeit alltäglich rumänische Juden ein, welche in der Heimat nicht geduldet werden und in Ermanglung jeder Erwerbsquelle genötigt sind, eine zweite Heimat, zumeist Canada, ausfindig zu machen. Die Unglücklichen erzählen haarsträubende Details über die Vexationen, welche ihnen seitens der Behörden und Bevölkerung zuteil werden. Die „Juden^esetze" werden wieder mit überaus grosser Schärfe gehandhabt, und es herrscheu ähnliche Zustände wie vor fünf Jahnen, als viele tausende Familien fluchtartig ihre Geburtsstätte verliessen. Seit wenigen Wochen haben mehrere hunderte rumänische Judenfamilien den Budapester Ostoahnhof passiert und sind mit dem nächsten Eisenbahuzuge, da ihnen hier ein längerer Aufenthalt nicht gestattet wurde, nach Bremen weitergereist. Heute sind 72 rumänische Juden hier eingetroffen. Berlin (Jüdische Soldaten) Antisemitische Reichstagsabgeordnete haben am 7. März 1904 bei der Beratung des Militäretats gegen jüdische Soldaten und Veteranen schwere Angriffe erhoben. Weil diese Beschuldigungen von dem berufensten Vertreter der Armee, dem Kriegsminister, nicht zurückgewiesen wurden, erhob der Sanitätsrat Dr. Siegmund Lachmann in Berlin Protest, indem er seine Beschwerdeschrift mit folgenden Worten schloss: