Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 3 (3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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25 sich scheinbar auf die Reise begeben, um in den böhmischen Wäldern nach Leichen zu suchen, hat aber dort wenig Glück gehabt. Seine gute Spürnase hat ihn nun nach Bayern geführt, wo sich zur Not ein bescheidener Mädchenmord konstruieren lässt. Vor einigen Tagen meldete das „D. V.", dass an der österreichisch-bayrischen Grenze ein Mädchen ermordet aufgefunden wurde. Das war so eine Notiz fürs Allerlei. Schwer's feine Nase verspürte dahinter den Osterbraten, setzte sich in den Schnellzug und konnte schon Samstag ausführlich melden, dass ein Mann dem Mädchen mit einem langen Messer den Hals abgeschnitten hat. Na also, da haben wir's. Warten wir noch einige Tage ab und Herr Schwer liefert uns einen ausgewachsenen Ritualmord, wie er den Abonnenten seit langem nicbt als Ostergeschenk verehrt wurde. Vorläufig spricht er nur in leisen Andeutungen und gesperrten Lettern und deutet an, was er so gerne sagen möchte. Vielleicht tun ihm die Behörden die Gefälligkeit und warten mit der Untersuchung bis über die Osterzeit, denn sie pflegen sich ja gerade bei zweideutigen Verbrechen nur langsam zu rühren. Herr Schwer „untersucht" bekanntlich schneller. Zwei, drei Tage genügen ihm und die Anklage ist fertig. Wir gönnen ihm gerne redaktionelle Ehren, aber er wird diesmal nicht viel aufstecken. Er wird zu Ostern mit anderen Geschichten kommen müssen, denn so lange wird sieh diese faustdicke Lüge nicht halten. Wleil Am 24. Februar d. J. verschied nach schwerem Leiden unser langjähriges treues Vereinsmitglied, Herr Josef Singer, der lauge Zeit hindurch an der Spitze der Prossnitz er Kultusgemeinde gestanden war. Am 27. Februar fand unter grosser Beteiligung das Leichenbegängnis statt. Nach der von Rabbiner Dr. S c h m i e d 1 vollzogenen Trauerfeierlichkeit hielt Rabbiner Dr. Goldschmidt namens e ner Deputation der israelitischen Kultusgemeinde Prossnitz einen Nachruf, in welchem er die Verdienste des Verstorbenen um die Gemeinde, sowie um den nationalen und konfessionellen Frieden in Prossnitz mit den wärmsten Worten pries. Wien. (Ein tapferer Antisemit.) In einer am 29. Jänner abgehaltenen Hausbesitzerversammlung besprach Oberinspektor Schimmerling die Vorgänge in der Hausbesitzerversammlung beim Ronacher und erklärte, dass in dieser Versammlung nicht nur Hausherren, sondern auch vom Regierungsrat Dr. Nessmann eingeladene Ochsentreiber anwesend waren, die mit Ochsenziemern bewaffnet waren. Der in der Versammlung anwesende christlich-soziale Gemeinderar August Drössler antwortete darauf, dass er das nicht glaube. Als nun ein Zwischenruf ertönte: „Gerichtsordnungsmässig erwiesen!" sagte Gemeinderat Drössler: „Wenn aber Ochsentreiber dort gewesen sind, hätten sie Herrn Lueian Brunner, den Stänkerer, mit den Ochsenziemern hinaustreiben sollen!" Als Herr Brunner diese Aeusserung erfuhr, erhob er gegen Gemeinderat Drössler eine Ehreubeleidigungsklage. Bei der Verhandlung beim Bezirksgericht Döbling gab der Vertreter des Gemeinderates Drössler eine Ehrenerklärung, in welcher er sein Bedauern über die gegen Herrn Brunner gemachte, als unbegründet und unanständig bezeichtnete Aeusserung ausdrückte. Ausserdem erlegte Gemeinderat Drössler als freiwillige Sühne 20 Kronen zugunsten eines israelitischen humanitäreu Vereines, worauf er freigesprochen wurde. Jißln.(Wer betreibtunlautereKonkurrenz?)In „Schönmann's Schuh-und Lederindustrie" finden wir folgende Zuschrift: „Die hiesige Schuhmacher-Genossenschaft bewarb sich im Vorjahre auch um eine Militärlieferung und erhielt den Auftrag auf 100 Paar Bakantsehen, welche vier Schuhmacher zusammen zur Ausfertigung übernahmen. Dieselben kauften nun von dem Lederhändler Herrn Berthold B o n d y das hiezu erforderliche Leder. Er berechnete ihnen das Kuhleder zu K 450 pro 100 gk. Die Schuhmacher erklärten, hiefür keinen höheren Preis bewilligen zu können, da die Konkurrenz bereit sei, ihnen das Kuhleder zu demselben Preise zu überlassen. Als der hiesige Lederhändler Herr Franz Friedrich erfuhr, das zur Lieferung er-