Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 3 (3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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23 reichen jüdischen Kreise mit Leib und Seele sich unserer Jugend anschliessen. Lebhaft begrüsst, nahm hierauf der Sekretär der „Oesterreichisch-Israelitischen Union'', Herr Siegfried Fleischer, das Wort. Er bezeichnete das Vorgehen der Deutschnationalen als eine Phase des Wirtschaftskampfes, als einen Kampf der Antisemiten gegen ihre gefährlichsten, weil begabtesten Konkurrenten. Es sei bezeichnend, dass in einem Antrage gegen die Juden und gegen die Härten der bestehenden Rigorosenordnung gesprochen worden sei. Das zeige, dass den Söhnen der Hofräte und Fabrikanten jeder Idealismus fernliege und ihr Streben nach weiter nichts ginge, als sich möglichst weich in die Wolle zu setzen. (Beifall.) Die Begründung des Antrages gegen die Juden sei vollständig unwahr, wie Redner durch Verlesung aus dem statistischen Handbuche des Deutschen Reiches beweist, wo der Perzentsatz der jüdischen Verbrecher als weit hinter dem anderer Konfessionen stehend gezeigt wird. Bezeichnend sei ferner, dass gegen die jüdischen Lehrkräfte keine Resolution gefasst wurde. Die tapferen aber vorsichtigen Deutschen hätten sich eben nicht in die Gefahr begeben wollen, nach gefaxter Resolution einem jüdischen Examinator zu begegnen. (Heiterkeit und Beifall.) Die von den Deutschnationalen aufgeworfene Frage sei allerdings momentan noch nicht aktuell. Doch sei alles eher als Optimismus am Platze. Die jungen Herren Deutschnationalen werden nämlich wahrscheinlich sehr hartnäckig sein, da sie den Weg zur Futterkrippe suchen. Es sei daher sehr angezeigt von den jüdischen Studenten gewesen, sofort energisch aufzutreten und Redner beglückwünsche sie warm zu ihrer heutigen Versammlung. (Lebhafter Beifall.) Zum Schlüsse bespricht Herr Redakteur Krausz das Faktum, dass die Prager und Wiener liberalen Studenten, die zu 99 Perzent aus Juden bestehen (Rufe 101!), gegen die Benennung des deutschen Hochschultages als solchen Verwahrung eingelegt haben. Hierauf wurde folgende Resolution per acclamationem angenommen : „Angesichts dessen, dass die vom zweiten deutschen Hochschultage beschlossene Forderung nach perzentueller Zulassung der jüdischen Studenten zu den deutschsprachigen Hochschulen die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung der Juden antastet und durch Vorspiegelung falscher Argumente der Mehrheit des deutschen Volkes die irrige Meinung aufzudrängen sucht, dass die jüdische Studentenschaft eine Gefahr für die deutschsprachigen Hochschulen sei; und mit Rücksicht darauf, dass diese Forderung jedem Fortschritt und jeder Zivilisation Hohn spricht, protestiert die im Kaufmännischen Vereinssaale am 7. März versammelte jüdische Studentenschaft auf das Energischeste gegen diese schmähliche Forderung,