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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-03-01 · 3 (3.1905) · p. Seite 22

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
3 (3.1905)
Date
1905-03-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 Dieselbe wurde von stud. jur. Fritz L ö h n e r mit der Begrüssung der Anwesenden und Verlesung der eingelaufenen Zustimmungstelegramme eröffnet. Der erste Redner, jur. Waschitz jun., legte das Tatsachenmaterial vor. Er brachte den Antrag zur Verlesung, der am zweiten deutschen Hochschultage mit der Begründung zum Beschluss erhoben wurde, es sei höchste Zeit, den zersetzenden semitischen Einfluss von den Stätten akademischer Bildung fernzuhalten. Er beleuchtete die statistischen Daten, die der antisemitische Redner am Hochschultage angeführt hatte und die an Lügenhaftigkeit ihresgleichen suchen. So sei es eine bewusste Unwahrheit, von den Juden zu sagen, dass 25 Perzent aller Verbrechen auf ihr Konto fielen. Auch sei die angegebene Beteiligung der Juden am Hochschulstudium in Wien, angeblich ein Drittel, nicht mehr als ein Fünftel, wie jedes statistische Handbuch beweisen könne. Auch dieses Verhältnis sei nicht von jüdischer Vordringlichkeit, sondern unter dem Drucke der Notwendigkeit geschaffen worden. Der Antra<? auf dem deutschen Hochschultage kann von keinem gerechten Menschen gebilligt werden und sei daher mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Als nächster Redner sprach Redakteur Julius Upfimny. Der Antrag auf dem deutschen Hochschultage sei durchaus eine Anmassung. De jure habe die Universität Wien gar keinen deutschen Charakter, der zu verteidigen wäre. Sie ist die Bildungszentrale des Reiches und letzteres ist in seiner Majorität durchaus nicht deutsch. Der deutsche Charakter ist damit noch nicht bewiesen, dass die Deutschen in der Universität am meisten schreien. Der Antrag berge feiner eine immense Gefahr. Da müsse man einen Blick auf die Erwerbsverhältnisse der Juden in Oesterreich werfen. Ihnen seien nur der Kaufmannsstand und die freien Berufe offen. Wenn man letztere noch verkürzen wolle, so müsse sich der Nüchternste sagen, dass damit die materiellen Verhältnisse des Mittelalters geschaffen seien. Es würden Leute genug kommen und sagen, man möge den Aeusserungen unreifer Alkoholiker nicht solches Gewicht beilegen, sie würden verpuffen. Wer aber den Puls des jüdischen Lebens in der Hand halte, müsse sich sagen, dass es im fortwährenden Niedergange begriffen sei, weil die halbreifen Alkoholiker von einst ins Leben getreten seien und weil antisemitische Anregungen, woher immer sie kommen, auf bereitwilliges Entgegenkommen seitens der Regierungen und autonomen Behörden zu rechnen haben. Man habe auch die Forderung nach Nichtzulassung von Juden in Staatsämter seinerzeit als Phantom verlacht. Die heutige Wirklichkeit gebe aber jeder Befürchtung recht. Letztere sei jetzt umsomehr geboten, als die gegenwärtig leitenden Männer Oesterreichs über ihre Gesinnung keinen Zweifel lassen. In einem solchen Stadium sei es geboten, dass die einfluss-

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