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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-03-01 · 3 (3.1905) · p. Seite 19

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
3 (3.1905)
Date
1905-03-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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19 sie allen Leitern jüdischer Wohlfahrtsinstitute dringend ans Herz, jüdische Ackerbauschulen allerorten zu gründen. Wir sehen an dem Beispiele Japans, was zielbewusste Volkserziehung zu leisten im Stande ist. Warum wir Juden Ackerbauschulen gründen, die alljährlich ganze Klassen von Maturanten entlassen, wenn wir diesen geschulten Ackerbauern die Möglichkeit geben zu geschlossenen Siedelungen, wo nicht der einzelne Jude einer hundertfachen feindlichen Ueberzahl gegenübersteht, sondern ein ganzes jüdisches Dorf geschaffen wird mit jüdischer Gemarkung, so werden diese jüdischen Bauern sich ihrer Haut schon zu wehren wissen, wie es einst unsere Väter, die Makkabäer, getan haben und wie es heute schon wieder die jüdischen Siedelungen in Palästina arabischen Raubzügen gegenüber tun. Es ist gar nichts zu befürchten von solchen geschlossenen jüdischen Siedelungen. Es wird Niemand darin eine Okkupierung christlichen Grundes und Bodens erblicken. Es ist im Gegenteil ganz gewiss, dass alle Regierungen, die ja unter dem Problem des jüdischen Proletariats in den Städten selber leiden, mit Freude ihre Zustimmung geben würden zur Anlage von jüdischen Ackerbausiedelungen. Es ist auch töricht, mit dieser Umgestaltung, mit dieser Umsichtung der jüdischen Bevölkerung etwa zu warten, bis die Vorsehung wieder jenes Stück Land, das einst unsere Väter besassen, den Juden zur Verfügung stellt. Gerade wenn jetzt in Russland Religionsfreiheit und Freizügigkeit zugestanden werden sollte, ist die Aufgabe eine doppelt dringende, die jüdische Bevölkerung nicht wieder auf jene ausschliesslich städtischen Gewerbe loszulassen, in denen sie sieb selber Konkurrenz machen und selbstverständlich den Konkurrenzneid der christlichen Bevölkerung herausfordern. Russland ist ungeheuer gross, hat ungeheuer viel Boden, auch guten und fruchtbaren * Boden. Wenn es gelingen würde, in diesem Osten einen nennenswerten Bruchteil der jüdischen Bevölkerung, erst Hunderttausend, dann wieder Hunderttausend und schliesslich Millionen der Landwirtschaft wieder zuzuführen^ die gerade heute eine nicht mindere Intelligenz beansprucht als welches städtische Gewerbe immer, so hätten wir die wahre Lösung des Judenproblems herbeigeführt, gleichviel, ob es uns gelingt, das Haus unserer Väter in Palästina wieder zu erwerben oder nicht. Nur so können wir von all den Leiden der städtischen Existenz, von der Entartung des Blutes und der Nervensubstanz wieder befreit werden, nur so kann die verkümmerte Ahasvererscheinung des Ghettojuden wieder verdrängt werden durch die aufrechte Gestalt stolzer, freier, auch körperlich tüchtiger Männer und so kann jener Adel wieder erzeugt werden, der heute nur in unserer Vorstellung lebt. Nur so können wir dazu gelangen, jedem Mitglied der grossen jüdischen Familie das zu geben, was es besitzen soll als unveräusserliches Erbteil in dem Kampf des Lebens: das Bewusstsein seines Adels, das Bewusstsein seiner Abstammung von jenem Volke, das der Welt die Propheten gegeben hat.

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