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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-03-01 · 3 (3.1905) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
3 (3.1905)
Date
1905-03-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 eine Rente bezieht. Da sind es die Popen, die für gewisse Scheine, die sie dem Juden ausstellen, wonach X X ein orthodoxer Christ sei, sich gehörig bezahlen lassen, da sind es ferner die höchst einflussreichen russischen Wucherer, die sich auf dem flachen Lande die „Schmutzkonkurrenz" des natürlich billiger arbeitenden Juden vom Halse halten wollen. In so niedrigen Motiven haben wir die wahre Ursache der Judennot in Russland zu suchen. Erst wenn die Polizei, das Pfaffentum und der russische Wucherer um ihren Einfluss gebracht sind, um den Einfluss, der hinaufreicht bis in die höchsten Höhen der Gesetzgebung, kann erwartet werden, dass die gesetzlichen Verfügungen zur Schädigung und Demoralisierung der Juden geändert werden. Bis dahin ist vielleicht auch in diesen Tagen zur rapiden Erweckung der russischen Geister noch ein weiter Weg. Ich habe meine Erörterungen des ostjüdischen Problems und der Judennot im Osten mit Absicht nicht etwa „Bilder aus Russland" betitelt, sondern ,.Bilder aus dem Osten", denn es gibt dort noch ein anderes Land, das nicht noch wie Russland sich in der nackten Barbarei des Absolutismus schamlos brüstet, es gibt ein Volk, das mit dem Glanzzylinder modernster Verfassung geschmückt einherstolziert und das in der Behandlung seiner Juden womöglich noch infamer, womöglich noch grausamer ist, als die russische Barbarei. Dieser Staat ist der rumänische. In Rumänien erfreut sich der Staatsbürger aller Freiheiten und Rechte wie nur in Belgien oder England. Warum aber geht es dem eingeborenen Juden, der dort seine Steuern zahlt, der dort seine Wehrpflicht erfüllt, nicht minder schlecht als dem rechtlosen russischen Juden? Aus dem einfachen Grunde: Rechte hat nur de*' rumänische Staatsbürger. Der in Rumänien geborene, in Rumänien lebende, steuerzahlende Jude ist kein Staatsbürger. Auch er darf keinen Grundbesitz erwerben, auch er ist gezwungen, in ganz bestimmten Berufen und in den Städten seinen Lebensunterhalt zu suchen. Ein unglaublich grosser Perzentsatz besteht aus sogenannten „Luftmenschen". Die Folge ist Elend, körperliches, geistiges und moralisches, die Folge ist die Auswanderung und der Zweck des Systems ist ganz wie in Russland der der Ausrottung. Welches Interesse besteht nun für die Rumänen, ihre Juden zu demoralisieren? Ein ganz ähnliches wie in Russland. Zwar ist es nicht eine Bureaukratie, die von den Juden lebt, wohl aber die Klasse der regierenden Staatsbürger, die sich die Konkurrenz der intelligenten jüdischen Bevölkerung vom Leibe halten will. Nach der rumänischen Verfassung ist die Mehrheit des rumänischen Volkes, die ja aus Bauern besteht, nahezu rechtlos. Rechte besitzt nur die sogenannte „Intelligenz", die sich in zwei Parteien gliedert und mit löblicher Wechselwirtschaft die Annehmlichkeiten der Macht geniesst. Die paarmal Hunderttausend Bojaren, Kaufleute, Geometer, Mittelschullehrer,

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