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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-03-01 · 3 (3.1905) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
3 (3.1905)
Date
1905-03-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 genug ist, um auch von Verblendeten beachtet zu werden. Das dazu nötige Zwielicht weiss man sich schon zu besorgen. Das Gewicht der wissenschaftlichen Gründe hat wohl im Ausschusse der bayerischen Abgeordnetenkammer zur einstimmigen Ablehnung der im Jahre 1894 von der antisemitischen Volkspartei behufs Abschaffung des Schächtens eingereichten Petitionen geführt und wird auch anderwärts von den Eegierungen und Staatsmännern gewürdigt; da jedoch inzwischen die Kunst, edle Gefühle irrezuleiten und zu menschenfeindlichen Zwecken zu missbrauchen, bedeutend fortgeschritten ist, halten radikale Antisemiten die Frage: „Wie ist den frommen Juden der Fleischgenuss zu erschweren oder überhaupt unmöglich zu machen?" noch immer offen. Bilder ans dem Osten. (Das ost jüdische Proble m.)*) Von Dr. Hugo Ganz. Es wäre begreiflich, wenn in den Gemütern der Abkömmlinge eines alten Religionsvolkes jetzt ein Zusammenhang hergestellt würde zwischen den furchtbaren Katastrophen, die das russische Reich in Ostasien treffen, und den Schandtaten, die von russischen Regierungsbeamten, von der russischen Polizei an wehrlosen Juden begangen worden sind, ein Zusammenhang wie zwischen Schuld und Sühne. So einfach, wie dem Gemüte des Gläubigen die Zusammenhänge erscheinen mögen, sind sie nun gewiss nicht und es besteht sicherlich kein Causalnexus zwischen den Verruchtheiten einer entmenschten Polizei in Südrussland und den Niederlagen der russischen Armee in Asien. Wohl aber darf man Beides als Früchte desselben Systems bezeichnen. Dieselbe Ruchlosigkeit, die in Kischenew ruhig zusah, als verhetzte Bauern ihr Mütchen an armen jüdischen Greisen, Weibern und Kindern kühlten, dieselbe Ruchlosigkeit hat die Magazine der russischen Armee beraubt, hat den kolossalen Apparat versagen lassen, der die Bewegung unserer heutigen Riesenarmeen regulieren muss. In dem ernsten, blutigen Kriege gegen den ernsten Feind werden alle Schäden eines Staatswesens offenbar. Die russische Regierung, die sich bisher auf die antisemitischen Sympathien einer gewissen Auslandspresse und auf die Wirkung des rollenden Rubels verlassen konnte, sieht sich plötzlich unrettbar enthüllt. Keine Macht der Welt, keine Fälschung der öffentlichen Meinung ist heute mehr im Stande, uns über das wahre Bild der russischen Regierung, des russischen Staates, der russischen Gesellschaft zu täuschen. *) Vortrag, gehalten in der Plenarversammlung der „Oesterr.-Israel. Union" am 6. März 1905.

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