Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 3 (3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10 welche ein die Verdrängung der Juden nach sich ziehendes Schächtverbot hätte, lebhaft vorzuspiegeln gewusst, zu einer sozial-politischen Angelegenheit aufgebauscht worden. So ist es schliesslich zu einer Volksabstimmung gekommen, bei der es einer sehr heftigen, mit allen nur denkbaren unlauteren Mitteln betriebenen Agitation gelungen ist, eine Majorität für die Abschaffung des Schächtens zu erringen.1) Die Hauptschuld trifft indessen auch hier Herrn v. Metzsch und seine samt ihren Gründen in eine wohlverdiente Dunkelheit gehüllten Gewährsmänner, denn für die Majorität der Cantone hat nur das Votum von 150 Bürgern den Ausschlag gegeben. Das wäre sicherlich nicht der Fall gewesen, wenn die sächsische Verordnung nicht viele Bürger hinters Licht geführt hätte. Die in Sachsen und in der Schweiz erfolgten Erledigungen der Wissens- und Gewissensfrage sind einander wert. Ebensowenig wie die Beantwortung einer tiefliegenden Frage durch Unwissende, in der Sache ganz Unmündige kann ihre, auf Grund angeblich wissenschaftlicher Argumente, die man sich nicht zu veröffentlichen getraut, um sie vor Widerlegung zu bewahren, erfolgte Erledigung als eine Lösung betrachtet werden. Wissenschaftlich richtig beantwortet war die Schächtfrage durch 51 von Autoritäten abgegebene Gutachten, die dem deutschen Reichstage und später der sächsischen Regierung vorgelegen, daran lässt der Umstand, dass sich nachträglich mehr als 200 Fachmänner, worunter sich die hervorragendsten Kapazitäten auf dem Gebiete der Physiologie und Veterinärkunde befunden, darüber im gleichen Sinne geäussert, keinen unbefangenen einsichtsvollen Menschen irgend zweifeln. Nur der politisierende, seelenvergiftende Hass vermag dem gegenüber die Augen zu verschliessen und darüber hinweg zu täuschen. Tierfreunde humaner Gesinnung hat die Aufhellung der Sache beruhigt,2) den in Tierschutz arbeitenden Antisemiten bedeutet sie nur einen Strich durch die Rechnung, der nicht dick ') Man hat die Bürger der katholischen Kantone, kurz vor der Abstimmung getäuscht, indem man die Nachricht verbreitete, der Eizbischof v. Thoma in München habe sich in einem Hirtenbriefe gegen das Schächten geäussert. Als man dann telegraphisch um Aufklärung gebeten, wurde sofort zurückgeantwortet, dass an der Nachricht kein wahres Wort ist. Die Antwort konnte aber nicht mehr die nötige Verbreitung finden. Genau derselbe Missbrauch wurde damals auch mit dem Namen des hochwürdigen Fürstbischofs von Breslau, Kardinal Dr. Kopp, getrieben. 2) Gute Beispiele haben diesbezüglich die Tierschützvereine in Genf, in Nürnberg und der russische Zentral-Tiersehutzverein gegeben. In mehreren Staaten der amerikanischen Union, in Nebraska, Idaho etc., haben die Tierschutzvereine sogar den Behörden Petitionen unterbreitet, in denen sie um obligatorische Einführung der jüdischen Schlachtmethode angesucht haben.