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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-03-01 · 3 (3.1905) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
3 (3.1905)
Date
1905-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 dann auch viele Tierschutzvereine anderer Länder bewogen, sich mit dem Schächten zu befassen. Die auf diese Weise um den Anfang der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts aufgeworfene Frage, ob das Schächten eine Tierquälerei ist oder nicht, war anfangs schwer zu beantworten, weil sich weder Pathologen noch Physiologen damit befasst hatten. Die Behauptung, dass die Tötung der Tiere durch Niederschlagen trotz der mangelnden Treffsicherheit milder sei als der mittels eines scharfen, schartenlosen Messers ausgeführte Halsschnitt, war wohl kühn, konnte aber den Laien nicht verargt werden, und das waren, insolange die Angelegenheit nicht wissenschaftlich behandelt worden war, bezüglich auch diejenigen, denen die zum Verständnis der Sache nötige Vorbildung nicht gemangelt. Da die Frage indes durch die lebhafte Agitation mancher Tierschutzvereine auch in den Kreisen der Fachkundigen auf den Gebieten der Pathologie, Physiologie und Veterinärkunde Interesse erregte, haben sich Männer der Wissenschaft durch Prüfen, Vergleichen und Forschen darüber ein Urteil gebildet. Die so gewonnene Auflassung hervorragender Gelehrter ist dem rituellen Verfahren günstig ausgefallen. Das hätte die Tierfreunde überall beruhigt. Inzwischen ist jedoch der modernisierte Judenhass aufgetaucht und hat sich bald nach seiner Ausbreitung der Angelegenheit bemächtigt. Viele Leute, die sich im Leben um die Leiden und Schmerzen der armen Tiere nie bekümmert, haben plötzlich eine partielle Tierfreundschaft in sich entdeckt und das Schächten in und ausserhalb der Tierschutzvereine als Quälerei verschrieen, um die Juden zu bedrängen. Die Elemente sind allen wissenschaftlichen und Vernunftgründen, durch die das rituelle Verfahren von Theoretikern und Praktikern als eine milde Tötungsart erklärt worden ist, unzugänglich geblieben. Alle Argumente missachtend, haben die Antisemiten den deutschen Reichstag zu einem Schächtverbote zu bewegen gesucht; ihre Petitionen sind jedoch einem Antrage des Abgeordneten Dr. Windthorst gemäss abgelehnt worden. Aus der darüber am 18. Mai 1887 geführten Debatte sind folgende Aeusserungen hervorzuheben. Die von edler Frömmigkeit getragene Rede des grossen, unvergesslichen Führers der Zentrumspartei enthielt unter anderem die Worte: „ Wenn es sich um religiöse Anschauungen handelt, die durch Jahrhunderte oder gar Jahrtausende überkommen sind und die heilig gehalten sind von vielen unter unseren Mitbürgern, dann gebe ich der Regierung das Recht nicht, in dieselben einzugreifen; und ich habe nicht die Meinung, dass man die religiösen Ansichten modeln soll nach angeblich modernen Ideen. Dem entgegenzutreten halte ich für meine erste Pflicht."

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