Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 2 (2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 nicht gehen!... Das Volk aufs gewissenloseste ausbeutend, sucht sie die ganze Schuld der Massen Verarmung auf die Juden zu schieben, die Unzufriedenheit der Massen in die Bahn des Nationalhasses zu lenken. Die Politik divide et impera war immer die Politik der Despoten, und so ist die einzig mögliche Lösung der spezifischen „Judenfrage" in Russland — die Befreiung Russlands vom Absolutismus. N. N. Mitteilungen der ..Oesterreichisch - Israelitischen Union1'. Plenarversammlung der „Union". Montag den 30. Jänner fand unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Dr. Moriz Ascher eine Plenarversammlung der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" statt. Der Vorsitzende begrüsst die Erschienenen, insbesondere den Reichsratsabgeordneten Dr. Ofner, Genieinderat Dr. Hein, ferner die Mitglieder des Kultusvorstandes kais. Rat Leopold Sachs, Baurat S ti as sny, Architekten Marmorek, Bezirksschulrat Dr. Spitzer und Salo Landau, ferner die Rabbinen Dr. Feuchtwang, Dr. Gelbhaus und Dr. Kaminka, und teilt mit, dass in einer durch den Beirat verstärkten Vorstandssitzung der „Union" der Beschluss gefasst wurde, im Schosse des Vereines eine Kommission für Kultusgemeindeangelegenheiten zu konstituieren, welche tür die Durchführung des bei den letzten Kultusgemeindewahlen vom vereinigten Zentral-Wahlkomitee aufgestellten W a h 1 p r o g r a m m e s zu sorgen und Anregungen, Wünsche und Beschwerden, welche sich auf die Kultusgemeinde beziehen, entgegenzunehmen habe. (Beifall.) Redner betont schliesslich die Notwendigkeit der Aussprache über die jüngsten Ereignisse in Europa, speziell in Ungarn und Russland, welche auch für das Judentum höchstwahrscheinlich einen Markstein bilden dürften, und erteilt dem Referenten Sekretär Siegfried Fleischer das Wort. Der Referent bemerkt einleitend, dass die heutige Versammlung in einem welthistorischen Augenblicke einberufen wurde, in welchem mächtige, als unerschütterlich geltende Werte, wie die dualistische Grundlage der Monarchie und das Bollwerk der Reaktion in Europa, der russische Zarismus, ins Wanken geraten sind. Redner bespricht sodann den Kabinetswechsel in Cisleithanien. Er charakterisiert zunächst den bisherigen Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber als eine Persönlichkeit, welcher jeder ehrlich und gerecht denkende Mensch seine vollste Sympathie entgegenbringen müsse. Herr v. Koerber sei ein wohlwollender, entgegenkommender und gerechter Mann. Wenn es Herrn Dr. v. Koerber, gleich seinen