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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-02-01 · 2 (2.1905) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
2 (2.1905)
Date
1905-02-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 Man mag das Ergebnis des Montefiore'schen Essays bescheiden nennen, man mag seinem liberalen Judentum Mangel an Schärfe, an durchgebildeten Formen vorwerfen. Damit wird nichts an der Tatsache geändert, dass hinter dem „liberalen Judentum" eine sachliche Notwendigkeit, ein ernstes Problem steht, das vielleicht doch auch philosophisch tiefer angepackt werden müsste, als es Montefiore nach englischer Art getan hat. Sein Verdienst ist es aber, dass er in edlem Eifer das religiöse Problem auch vom Judentum aus und für das Judentum in Fluss zu bringen versucht hat. — Das sind glückliche Zeiten, in denen das geistige Leben des Menschen auch die klassische äussere Form findet und der Friede des religiösen Gemütes durch den Konflikt zwischen Vergangenheit und Gegenwart nicht gestört wird. Wir leben heute nicht in einer solchen Zeit; aber sie vorzubereiten ist schon eine erhebende Aufgab^, ist des „Schweisses der Edlen wert". J. G. Diel ökonomische und rechtliche Lage ifer Juden in Russland. IfNach dem*veitrau]ichtn[Be]icht^d6s "Wilnaer CouveiEeneDts. Vielleicht hat niemand mit ähnlichem Erfolg die zarische Regierung Lügen und Zweideutigkeit gestraft, ihre völlige weitere Unzulässigkeit aufgedeckt, wie ihre eigenen Diener. Im Jahre 1902 ist im Ausland eine Denkschrift des ehemaligen Finanzministers und jetzigen Ministerpräsidenten Witte erschienen : „Selbstherrschaft und Semstwo", die klar und unzweideutig die Unversöhnlichkeit der Selbstherrschaft mit dem Selbstverwaltungsprinzip aufdeckt und den wahren Sinn der Regierungspolitik den Semstwos gegenüber darlegt. Aehnliches hat der im März 1904 ei stattete Bericht des Wilnaer Gouverneurs in der „Judenfrage" getan. Er wurde noch zur Zeit verfasst, wo Swiatopolk-Mirsky Generalgouverneur von Wilna war, und so wirft er ein grelles Licht auf die „Judenpolitik" seiner Regierung. Schon in der Einleitung erklärt der Bericht die Rechtslage der Juden für anormal und stellt die Revision der Judengesetzgebung als unverzüglich notwendig dar, weil „jeder Aufschub schwere Nachteile im Gefolge haben würde: die anormale ökonomische und rechtliche Lage der Juden führt zur Verbreitung einer höchst unerwünschten politischen Gährung innerhalb der jüdischen Masse, vornehmlich aber innerhalb der Jugend und Arbeiterschaft. An und für sich gefährlich genug, erscheint diese Bewegung noch gefährlicher dadurch, dass sie eine in der Gegend jahrelang vorhandene ähnliche Bewegung befördert." Das war also die wahre Quelle des neuesten „Liberalismus" der Regierung in der Judenpolitik; dies wird auch bewiesen durch das Rundschreiben vom 6. März 1904, welches bis zum Ende des Krieges die Ausweisungen der Juden aus Orten, wo sie „ungesetzlich" wohnen, aufhebt. „Jetzt", er-

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