Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 2 (2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 seinen orthodoxen Brüdern an, er möchte ihnen eine Brücke bauen, auf der sie zu dem liberalen Judentum als zu einer innerlich veredelten und weiterentwickelten Form derselben Religion kommen könnten. Diese Brücke glaubt er in dem Begriff des „Gesetzes" zu finden. Das vom supranaturalistischen Offenbarungsglauben getragene Gesetz des orthodoxen Judentums hat einen eigentümlichen religiösen Lebenstypus hervorgebildet, dessen Ideal in der Heiligung und Umwandlung des Lebens durch die Religion besteht. In diesem Ideal treffen sich altes und neues Judentum, nur in den Mitteln und Wegen zu diesem Ideal unterscheiden sie sich. Montefiore möchte das neue Judentum auch eine Religion des „Gesetzes" nennen, freilich nachdem er vorher eine Idealisierung des „Gesetzes" ins rein Ethische vorgenommen hat, wie es vor ihm u. a. Lazarus in seiner „Ethik des Judentums" getan hat. Unser Verfasser geht dann daran, zu zeigen, wie die einzelnen Feste des alten Judentums auch losgelöst von der orthodoxen Dogmatik beibehalten werden können. So bekommen die einfachen Glaubenssätze des liberalen Judentums historische Substanz und damit Farbe und Leben. Zugleich aber entgeht das liberale Judentum durch Anknüpfimg an die Vergangenheit der Gefahr, die differentia specifica gegenüber dem besonders in England weit verbreiteten unitarischen Theismus zu verlieren. Wir finden hier als treibendes Motiv bei Montefiore jene moderne ästhetische Freude an der Mannigfaltigkeit und Buntheit der historischen Erscheinungen, die wir auch so häufig bei mehr liberalen Vertretern des Katholizismus bemerken können. Wie ein Dichter nicht alle Seiten und Vorzüge aller anderen Dichter in sich vereinigen kann, so wird auch eine Religion nicht alle Seiten der religiösen und ethischen Wahrheit umschHessen können. „Wäre die Welt nicht reicher, wenn sie viele Arten des unitarischen Glaubens besitzt? Soll das liberale Judentum diesen Reichtum vermindern, indem es die älteste dieser Formen aufgibt, jene Form, die ihm durch Geburtsrecht zukommt?" Und noch um eines anderen Umstandes willen tritt Montefiore für die Erhaltung des Judentums als selbständiger Religionsgemeinschaft ein. Er glaubt, dass das Judentum seine Rolle in der Entwicklung des religiösen Bewusstseins noch nicht ausgespielt hat, er ist der Ueberzeugung, dass die religiöse Mission des Judentums noch nicht erfüllt ist. Da das Judentum sich für diese Mission nur erhalten kann, wenn es Zwischenheiraten meidet, so fordert Montefiore einen gewissen Separatismus. Aber nur aus rein religiösen Gründen. Wer an eine selbständige, religiöse Mission des Judentums nicht mehr glaubt, für den gibt es nach Montefiore keinen Grund gegen Zwischenheiraten. Die heute beliebt gewordenen Gründe der Rasse und „Nationalität" bekämpft Montefiore aufs Schärfste. „If it were not for religion, there would not, from