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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-02-01 · 2 (2.1905) · p. Seite 4

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
2 (2.1905)
Date
1905-02-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 tut es in der richtigen Annahme, dass er damit zugleich das ausspricht, was vielen Tausenden auf der Seele lastet. Er wendet sich nicht an die Philosophen, sondern an das every Day folk. Was veranlasste nun Monteflore, mit dem orthodoxen Judentum zu brechen? Er ist mit diesem aus innerer Wahrhaftigkeit zerfallen. Er findet die Grundbehauptung des orthodoxen Judentums darin, „dass Gott sich ganz eigentlich einem besonderen Volke und nur diesem Volke offenbart hat. dass diese Offenbarung von Zeichen und Wundern begleitet war und dass der Inhalt der Offenbarung enthalten sei in einem Gesetze, das vollkommen, unveränderlich und göttlich ist". Monteflore gesteht ein, dass sich dieses Dogma heute angesichts unserer Geschichts- und Naturauffassung nicht mehr aufrechterhalten lässt. Auch erkennt er deutlich die verhängnisvollen Folgen des extrem legalistischen Standpunktes und scheut sich nicht, der Orthodoxie mancli bittere Wahrheit nach dieser Richtung hin zu sagen. Aber ist mit der Ablehnung der Orthodoxie nicht das Judentum abgetan? Das behaupten in merkwürdiger Uebereinstimmung ihre Vertreter und der liberale Protestantismus — freilich aus ganz verschiedenen Gründen. Das alte Judentum, weil ihm mit jenem Dogma der eigentliche Kern seiner Religion aufgehoben zu sein scheint, der liberale Protestantismus, weil er die Grenzverwischung zwischen sich und dem nicht legalistischen Judentum fürchtet. In vielen Werken der modernen protestantischen Theologie hört ja bei der Schilderung der Entstehung des Christentums aus dem Judentum die historische Besonnenheit und Gerechtigkeit auf: man kann das Judentum nicht dunkel und trübe genug zeichnen, damit sich um so blendender die Lichtgestalt des Christentums dagegen abheben kann. Schon Montesquieu hat in seinen Lettres Persanes die treffende Bemerkung gemacht: „en fait de religion les plus proches sont les plus grandes ennemies". Gegenüber der Orthodoxie und dem liberalen Protestantismus greift Monteflore auf den Prophetismus zurück, in dessen Lehre von dem einen heiligen Gotte, der nur in der Verwirklichung der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe verehrt wird, er den wesentlichen Bestandteil des Judentums erblickt. Das Gesetz und die durch dasselbe entstandene rabbinische Literatur betrachtet Monteflore nur unter historischen Gesichtspunkten. Er gibt eine Entstehungsgeschichte des Pentateuch, die sich in den Bahnen der Wellhausen'schen Hypothese bewegt, Anmerkung der sittlichen Gesetze als göttlicher Gebote — mit dieser Kantischen Wendung Hesse sich der bisherige Standpunkt Monteflore's ganz gut bezeichnen. Aber Monteflore kann aus verschiedenen Gründen bei diesem etwas abstrakten Moralismus nicht stehen bleiben. Die Kluft zwischen dem alten Judentum und dem neuen wäre so gross, dass man kaum noch vom Judentum sprechen könnte. Monteflore strebt daher eine Verständigung mit

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