Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 2 (2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Konservativen im Vereine mit den freisinnigen Gruppen des Hauses ehrlich um den Ehrenschutz Abwesender und um die Achtung aller religiösen Ueberzeugungen zu tun ist, dann haben diese Parteien auch die Macht, diese ihre Anschauungen durchzusetzen. S. FL Montefiore's „Liberal Judaism". Der Begriff „liberales Judentum" hat bei religiösen Gemütern keinen guten Klang. Religiöse Indifferenz, pietätloses Verwerfen aller von der Vergangenheit überkommenen und durch die Jahrtausende geheiligten Formen, opportunes Sich-anbequemen an die herrschenden Zeitläufte — das sind wohl einige der Haupt vorwürfe, die man dem liberalen Judentum macht. Wie weit diese Vorwürfe einzelne Vertreter des liberalen Judentums treffen, gehört nicht hierher. Es beweist aber nichts gegen eine geistige Richtung, wenn man ihr die Motive vorhält, durch welche hie und da Anhänger zu ihr gelockt werden. Wohin käme man dabei z. B. bei der Beurteilung des entstehenden Christentums oder der Ausbreitung der Reformation! Man muss vielmehr fragen: Steckt in dem Begriff „liberales Judentum" eine sachliche Notwendigkeit, die Forderung einer neuen, weltgeschichtlichen Lage und damit ein ernstes und ernst zu nehmendes Problem? In diesem Sinne hat C. G. Montefiore zur Frage des liberalen Judentums das Wort ergriffen; und dies Wort verdient auch gehört zu werden. Claude G. Montefiore hat vor nicht langer Zeit ein Büchlein herausgegeben unter dem Titel: Liberal Judaism, An Essay. Ich wüsste in der Gegenwart niemanden, der berechtigter wäre, das liberale Judentum literarisch zu vertreten. Montefiore ist der Herausgeber der „Jewish Quarterly Review", einer fahrenden Vierteljahrsschrift der jüdischen Theologie auf englischem Boden. Wie sehr man auch in christlichen Kreisen seine Hibbert Lectures (Origin and development of the Religion of the ancient Hebrews) und seine Jewish Bible for Home Reading schätzt, geht schon aus dem Umstände hervor, dass 1894 die Glasgow University Theological Society und 1904 die Oxford Theological Society ihn zum Präsidenten gewählt haben. Aber Montefiore ist mehr als ein Gelehrter, er ist ein homo religiosus, der sein Leben in den Dienst einer idealen Aufgabe gestellt hat: der Belebung und Weiterentwicklung der Religion des Judentums. Das vorliegende Essay gewährt uns einen Blick in eine vornehme, gebildete Seele, der es ernst mit der Religion ist und die Ehrfurcht und Liebe entgegenbringt der bedeutsamen, an Märtyrern so reichen Geschichte des Judentums. Montefiore spricht nicht im Namen einer Organisation, einer autoritären Gewalt, er gibt nur sein persönliches Glaubensbekenntnis, aber er l*