Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1904-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1904) · p. Seite 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
16 (1904)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1904)
Date
1904-06-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9756662-9603068-9603151--1015-9603175
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

24 sationeller Erpressungsversuch verübt, bei welchem auch der Name des Chefs der dortigen christlich-sozialen Partei, Dr. Dompieri, mehrfach genannt wurde. Als Urheber dieses Erpressungsversuches wurde der Schwiegersohn Camber's, Herr Vittorio C u 11 i n i ermittelt, der selbst ein ähnliches Schmutzblatt wie der „Sole" herausgegeben hatte. Der politische Zusammenhang zwischen diesen Vorgängen in Triest und der christlich-sozialen Partei wurde durch eine Interpellation dokumentiert, die der Abgeordnete Schneider im Parlamente einbrachte. Mittlerweile hat aber auch der Staatsanwalt in Triest seine lange vermisste Energie wiedergefunden und das Tagblatt „II Sole" wegen mehrerer „proverbi habrei", in welchen die Juden insgesamt als Wucherer, Ausbeuter und Betrüger hingestellt wurden, konfisziert Wegtaufen in Galizien. In Angelegenheit der gesetzwidrig getauften und dem Vater vorenthaltenen Kinder des Israel Nathan Reiss haben wir dem Ministerpräsidenten als Leiter des Ministeriums des Innern und der Justiz folgende zusammenhängende Darstellung des Sachverhaltes aus der Feder des Krakauer Advokaten Dr. Rafael Landau mit der Bitte überreicht, dem unwürdigen Schaukelspiele, das die Gerichts- und politischen Behörden durch gegenseitige Zuschiebung der Verantwortlichkeit aulführen, ein Ende zu machen: „Am 28. Juni 1900 wurde die zwischen den Eheleuten Israel Nathan R e i s s, nachdem sie schon früher geschieden lebten, auf Grund des bürgerlichen Gesetzbuches geschlossene Ehe durch das k. k. Bezirksgericht Stanislau aufgelöst. Dieser Ehe entsprossen drei Kinder, und zwar Scheindel Reiss, geboren am 9. Sept. 1890, Albert, geboren am 23. April 1892 und Adam, geboren am 26. August 1894. Zur Zeit der Auflösung der Ehe war Helene Reiss bereits getauft, doch hatte damals Israel Nathan Reiss sich mit dem ihm von seinem damaligen Rechtsfreunde erteilten Rate begnügt, die Kinder bei der Mutter zu belassen und sie nachher von derselben zurückzuverlangen. Als Reiss nach einiger Zeit dies tun wollte, erfuhr er zu seinem Erstaunen, dass einige Monate vor Auflösung seiner Ehe die Mutter Helene Reiss alle drei Kinder in Krakau taufen liess, konnte jedoch den damaligen Aufenthaltsort seiner Kinder nicht eruieren. Zu jener Zeit, im Juni 1901, betraute er mich mit seiner Vertretung, die ich unentgeltlich übernahm. Ich konstatierte, dass Helene Reiss die genannten Kinder am 17. September 1899 in der St. Nikolai - Kirche in Krakau taufen liess und dass der Magistrat der Stadt Krakau diese Taufe, trotzdem die Kinder Scheindel und Albert schon damals mehr als 7 und weniger als 14 Jahre zählten, somit in einem Alter waren,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.