Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 16 (1904)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
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23 rücht sei, dass die Juden in Uhnow ihre eigenen Häuser und die der anderen Bewohner in Brand gesteckt haben. Den Bedrängten werden ja gewöhnlich verschiedene Missbräuche zugeschrieben, habe man doch für den Brand Korns zur Zeit Neros die Christen verantwortlich zu machen gesucht, um von den wirklichen Brandlegern den Verdacht abzulenken. In scharfen Worten wendete sich der Kedner vom allgemeinen menschlichen Standpunkte gegen die Ausschreitungen in Uhnow und deren Charakter, wobei er betont, dass derartige Ausbrüche des Hasses ein Hindernis für die normale Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse bilden. Der Verteidiger einer Gruppe der Angeklagten, Dr. L e w i c k i, polemisierte gegen die Ausführungen des Vorredners, indem er die Bedeutung der Uhnower Exzesse, die unvorbereitet gewesen seien, abzuschwächen trachtete. Dass naheliegende Ursachen die Menge zur VerÜbung von Gewalttaten mit elementarer Gewalt gedrängt haben, sei leicht zu erklären. Der Gerichtshof möge daher alle Umstände bei der Uiteilsfällung eingehend in Erwägung ziehen. Am 23. Juni wurde das Urteil gesprochen. N e un un d z wa n z i g Angeklagte wurden zu schweren, mit Fasten verschärften Kerker strafen in der Dauer von einem bis fünf Monaten, einundzwanzig Angeklagte zu je sieben Tagen Arrests verurteilt, die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Insbesondere erhielten: der Hausbesitzer Furgan fünf, der Vertreter der Versicherungs- Gesellschaft „Dniestr" Onyszkiewicz und der Hausbesitzer K u k i je vier, die Hausbesitzer Skrypczuk und M a g o r a, sowie der Gerichtsdiener Mazurkiewicz je drei Monate schweren Kerkers. Sämmtliche Verurteilte haben die Kosten des Verfahrens zu tragen. — Der Staatsanwalt bat sich die Berufung vorbehalten. Die Hetzereien des Triester „Jl Sole". Vor Kurzem haben wir eine Reihe von Artikeln des Triester antisemitischen Tagblattes ,,11 Sole-' zitiert, welche von Beschimpfungen und gehässigen Verleumdungen des Judentums und unserer Triester Glaubensgenossen insbesondere wimmelten, und daran die Frage an die Justizverwaltung geknüpft, wie lange sie dieses wüste Treiben ruhig dulden wolle. Wir haben uns damit nicht begnüngt, sondern sind auch direkt bei der Justizverwaltung eingeschritten. Die Passivität des Staatsanwaltes war in diesem Falle umso unbegreiflicher, als der Heiausgeber des Tagblattes „II Sole", Herr ßiccardo C a m b e r, eine höchst fragwürdige Persönlichkeit ist, die schon einmal wegen Erpressung verurteilt war. Vor einigen Wochen nun wurde in Triest an der Witwe des ehemaligen Handelskammer-Präsidenten Baron R e i n e 11 ein sen-